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Pisa
war natürlich ein Thema auf dem diesjährigen
Bibliothekartag in Augsburg. Schon bei der Eröffnung wurde
in Grußworten die deutsche Bildungsmisere beklagt; in weiteren
Veranstaltungen, etwa in Vorträgen und Workshops zu Kulturpolitik,
Medien- und Informationskompetenz, kam die Studie ebenfalls zur
Sprache. Mehr als die bekannten Fakten, verbunden mit der pauschalen
Forderung, die Bibliotheken doch künftig stärker in der
Bildungspolitik zu berücksichtigen, wurde in Augsburg aber
kaum präsentiert.
Fakt ist: »Bibliotheken« kommen in der Pisa-Debatte
nicht vor, Politik und Medien nehmen keine Notiz. Dass es anders
geht, zeigen die Bildungslobbyisten der Unternehmen, Gewerkschaften,
Lehrer und Eltern, die den Abgeordneten und Ministerien gegenwärtig
die Türen einrennen. Und die Politik reagiert mit Anhörungen,
Fachgesprächen, Symposien und Podiumsdiskussionen. Allein:
Die Bibliotheken sind auch hier nicht mit im Boot.
Das hat Gründe: Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände (BDB) in
Sachen Pisa kam spät und schien nicht mehr als eine Pflichtübung.
Das Medienecho auf ein, zwei lustlos formulierte Pressemitteilungen
war gleich null. Handreichungen, Argumentationshilfen oder Musterpressemitteilungen,
etwa vom Berufsverband Information Bibliothek (BIB), wären
für die Praxis sicherlich hilfreich.
Natürlich legt man in den Bibliotheken die Hände nicht
in den Schoß. Das Thema »hilft« bei Etatberatungen,
liefert gute Argumente gegen Schließungen und Benutzungsgebühren.
An der Basis tut sich viel, insgesamt aber immer noch zu wenig,
um Bibliotheken mit Pisa auf die große politische Bühne
zu heben.
Die Antworten der politischen Akteure auf Pisa sind unterschiedlich
und lassen sich im Sinne des politischen Marketings für das
Publikum wunderbar sortieren: Die Linken sehen die Ursachen für
die Leistungsdefizite in der fehlenden Ganztagesbetreuung und der
Vernachlässigung schwacher Schüler. Im bürgerlichen
Lager verweist man gerne auf fehlende Leistungsstandards und Wertmaßstäbe,
die Lehrer wie Eltern gleichermaßen in die Pflicht nehmen
müssten.
Beide Erklärungsansätze mögen in sich stimmig sein
und die eigene Klientel befriedigen. Sie ignorieren aber völlig
die Lebenswelt heutiger Jugendlicher: Medien aller Art sind für
die Sozialisation in dieser Altersgruppe ein gewichtiger Faktor
geworden, Computer, Fernsehen und Internet fungieren als Träger,
Gegenstand und Grundlage sozialer Kommunikation, prägen Sozialverhalten
und Wahrnehmung gesellschaftlicher Realität.
Natürlich haben die bei Pisa erfolgreichen Länder wie
Finnland, Norwegen, Großbritannien oder Neuseeland Ganztagesschulen
und eine bessere Förderung leistungsschwacher Schüler.
Sie haben aber auch in fast jeder Schule Medienzentren und entsprechendes
Fachpersonal (in Deutschland nur jede zehnte). Hier können
die Schüler eigenverantwortlich oder zusammen mit anderen den
Umgang mit unterschiedlichsten Medien lernen, Wissen und Einsichten
selbstständig erarbeiten und dabei jene Fähigkeiten
entwickeln, die Schüler hierzulande häufig vermissen lassen:
Kreativität, Teamfähigkeit, analytisches Denkvermögen,
Sozialkompetenz.
Das Thema »Bibliothek« wäre für Öffentlichkeit
und Politik ein neuer Aspekt in der Debatte. Im Themenkreis »Schulbibliotheken«
in Augsburg gab es sehr konkrete Vorschläge (Seite 461 folgende)
für das weitere Vorgehen.
rei
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