| Von jetzt ab Schwerpunkte!
Die BuB-Redaktion setzt journalistisch Akzente, um Sie,
liebe Leserinnen und Leser, noch ausführlicher zu informieren: Von nun an wird jedes Heft einem Schwerpunkt gewidmet.
Zum Auftakt: Integrative Bibliotheksprogrammatik hat
Hochkonjunktur und bietet mehr als genug Stoff für ein Themenheft. Seit Unterschichtendebatte und Pisa-Studie dreht es sich allerdings heute weniger um traditionelle »soziale Bibliotheksarbeit«. Vielmehr wird ein Motiv neu entdeckt,
das schon die historische Bildungsbibliothek der Bücherhallenbewegung beschäftigt hat: Sie wollte »allen Klassen und Schichten den Erwerb einer umfassenden Bildung ermöglichen und so einen Beitrag leisten zur Lösung sozialer Probleme« (Helga Lüdtke, 1979).
Das Arbeitsfeld entwickelt sich dynamisch, vor allem im Ausland: In Großbritannien hat die Labour Regierung unter »Social Inclusion« nationale Programme initiiert, die dort eine Blüte sozialer Bibliotheksprogrammatik ausgelöst haben. In Frankreich sollen bald »Mediatheken der Nähe« in sozialen Brennpunkten das kulturelle Klima verbessern helfen. In Dänemark gehört zu den vier zukünftigen Aufgabenfeldern der Öffentlichen Bibliotheken, »den Zusammenhalt der demokratischen Wohlfahrtsgesellschaft« zu stärken.
Auf dem IFLA-Weltkongress im August 2007 im südafrikanischen Durban geht es auch um »Social Inclusion« und um die Frage, wie »alle« Menschen von der Bibliothek erreicht werden können. Und in Deutschland? Das Thema ist in vielen Öffentlichen Bibliotheken längst auf der Tagesordnung, beweist eine Umfrage unter Bibliotheksdirektoren und -leitern von Berlin-Kreuzberg bis Stuttgart-West (Seite 429).
In den Siebzigerjahren hieß soziale Bibliotheksarbeit vor allem: Bücherversorgung von »Benachteiligten«, wozu man Ausländer, Arbeitslose, Strafgefangene und
Krankenhauspatienten zählte. Die Materie lieferte Stoff für hitzige Debatten und diverse BuB-Themenhefte. Im Jahr 2007 wird das Ganze lieber ökonomisch statt idealistisch gesehen:
Es wird für die Gesellschaft teuer, wenn große Gruppen im Bildungssystem abgehängt werden. Das von der Bertelsmann Stiftung ins Leben gerufene Filialkonzept mit Familien- und Nachbarschaftsbibliotheken könnte man auch als
soziale Bibliotheksarbeit in neuem Gewand beschreiben.
Bibliotheken als Bildungspartner und interkulturelle Ansätze
antworten auf brisante gesellschaftliche Fragen. Nicht
zuletzt birgt der »Zugang für alle« im digitalen Zeitalter politischen Zündstoff. Und die Bibliothek als integrativer
Raum wird neu entdeckt. Auch in diesem Schwerpunktheft– viel Spaß beim Lesen!
Julia Hellmich
(BuB-Redakteurin)
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