| Das Netz nervt die Verleger
Das Gerede von digitalen Märkten klingt für Publikums-, Lexikon- und Schulbuchverleger nicht gerade nach Zukunftsmusik. Auf der Frankfurter Buchmesse machten Führungsleute von Cornelsen, Brockhaus und S. Fischer in einem Podiumsgespräch keinen
Hehl daraus, dass die Netzwelt eine ungeliebte Baustelle ist und
bisweilen ziemlich nervt.
Das Dilemma ist bekannt: Das herkömmliche Geschäftsmodell »Pay per Copy« funktioniert hervorragend, passt aber schlecht zu digitalen Inhalten. Und der deutsche Markt gilt als konservativ. Lehrer möchten Tafel und Kreide einfach nicht wie in den USA gegen »Interactive Whiteboards« tauschen, berichtet Cornelsen-Geschäftsführer Martin Hüppe. Eine digitale Bildungsoffensive sei politisch gar nicht gewollt. Zugleich entwickele sich aber die Technik rasant, und »Jugendliche machen alles mit dem Computer«. Ein handliches E-Lesegerät soll in der Dresdner E-Paper-Fabrik »Plastic Logic« schon 2008 millionenfach produziert werden.
Es könnte wie der Blitz einschlagen, prophezeit Hüppe. »Wir
haben nur eine Chance: Uns abzusetzen durch Qualität.« Dagegen berichtet der S. Fischer-Geschäftsführer Lothar Kleiner achselzuckend: »Für Belletristik sehen wir keinerlei Geschäftsmodell im Internet.« Die Autoren würden auch keine Mitmach- oder Fortsetzungs-Romane online schreiben wollen. Das Netz bleibt für ihn Werbefläche. Die Überlebensstrategie von Marion Winkenbach aus dem Brockhaus-Vorstand lautet: »Wir garantieren geprüfte Information.« Sie setzt unter anderem auf Kooperation mit »Zeit« und »Geo«. In anderen Häusern heiße es dagegen schlicht: Kostenfreie Inhalte, mehr Traffic, mehr Google, mehr Werbung, mehr Geld.
Nach einer solchen Diskussion fragt man sich wieder:
Was wird aus Bibliotheken, wenn jeder Student sein E-Paper-Lesegerät besitzt und Schüler sowieso schon Online-Lexika befragen? Eine Strategie heißt bekanntlich, Dienstleistungen zu entwickeln und Informationskompetenz zu vermitteln. Den realen Angeboten der »Teaching Library« ist das Schwerpunktthema dieses Heftes gewidmet, und zwar den Aktivitäten in wissenschaftlichen Bibliotheken, in denen kreativ »bibliothekarische Geschäftsmodelle« für die digitale Hochschulwelt geschaffen werden.
Julia Hellmich
(BuB-Redakteurin)
|