| Schwerpunkt: Transatlantische Impulse
Brigitte Döllgast
Die Konkurrenz wächst
Deutsche Sprache und Kultur verlieren in den USA an Bedeutung / Asiatische Länder auf dem Vormarsch
Die deutsche Sprache und die deutsche Kultur in den USA sind auf dem Rückzug. Mehrere US-Universitäten schränken ihre Deutsch-Programme ein oder geben sie ganz auf. Übersetzungen deutscher Bücher in den USA sind Mangelware. Das Angebot deutschsprachiger Bücher in Öffentlichen Bibliotheken geht dramatisch zurück. Zum Glück gibt es auch erfreuliche Trends: In wissenschaftlichen Bibliotheken haben deutsche Bücher nach wie vor einen hohen Stellenwert. Dennoch sind es andere Sprachen, allen voran asiatische, die derzeit in USA zulegen. Einen fundierten Überblick über die Lage »des Deutschen« in den Vereinigten Staaten gibt im Folgenden die Leiterin des Arbeitsbereiches Information & Bibliothek am Goethe-Institut in New York, Brigitte Döllgast.
Joseph J. Mika, Debbie Rabina
Signifikante Unterschiede in der Ausbildung
Zehn Dinge, die Sie über das Studium der »Bibliotheks- und Informationswissenschaft« in den USA wissen sollten
Ein Vergleich zwischen den LIS-Ausbildungsstätten in den USA und ihren Schwesterinstitutionen in Deutschland zeigt signifikante Unterschiede: In den USA wird von Fakultätsangehörigen erwartet, dass sie forschen und veröffentlichen, dafür unterrichten sie weniger Stunden; die Kurse sind eher theoretisch orientiert und Evaluation durch Studierende ist die Regel. Deutsche Studenten dagegen haben weniger Kurse, eine größere Flexibilität bei der individuellen Studiengestaltung, erwerben in der Regel einen Bachelor in Bibliothekswissenschaft, bevor sie sich für einen LIS-Masterkurs einschreiben, haben ein Curriculum, das ihnen weniger Themenauswahl bietet und zahlen deutlich weniger für ihre Ausbildung. Die Ergebnisse jedoch sind dieselben – Absolventen, die bereit sind, sich engagiert als Fachkräfte auf dem Feld des Bibliotheks- und Informationswesens einzubringen.2
Michael Seadle
Die Welt der deutschen Bibliotheken aus der Sicht eines US-Amerikaners
Dreieinhalb Jahre als Direktor des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft: Eine Zwischenbilanz
Bei der Eröffnung des Grimm-Zentrums der Humboldt-Universität zu Berlin, ein Gebäude, das EDV-Arbeitsplätze mit dem größten Freihandbestand Deutschlands verbindet, hieß der Universitätspräsident Professor Christoph Markschies in seiner Rede vor allem die Bücher willkommen: »Wen soll ich begrüßen heute Morgen? Vielleicht doch zu allererst die über zweieinhalb Millionen Bücher, die da unter uns und hinter uns gesammelt sind…« Seine Worte symbolisierten die traditionelle Haltung gegenüber Bibliotheken und Bibliothekaren: In Deutschland nehmen die Bücher den ersten Platz ein!
Jan-Pieter Barbian
Mitten im Leben
Erfahrungen als »Librarian in Residence« in New York und Washington/DC (Teil 1) / Weiterbildung, Jobcenter, Sozialberatung und Gesundheitsvorsorge inklusive
»Erwarten Sie, dass Ihr Leben sich verändert, wenn Sie diese Stadt betreten.« Das hatte ich in Verena Luekens »Gebrauchsanweisung für New York« (Piper Verlag, 6. Auflage 2008) gelesen, einer der besten Darstellungen über die Geschichte und Gegenwart, Politik und Gesellschaft, Mentalität und Kultur der amerikanischen Metropole. Wie wahr dieser schlichte Satz ist, merkte ich erst, als ich das Glück hatte, mich in der Zeit vom 16. September bis zum 4. Oktober 2009 in New York aufhalten zu dürfen – nicht als Tourist, sondern als Mitspieler mitten im Leben. Natürlich schwingen der Mythos und der Glamour mit, wenn man sich in Manhattan bewegt und Sehenswürdigkeiten besucht, die man aus Reiseführern, Romanen und Spielfilmen kennt. Aber als »Librarian in Residence«*, der sich im Auftrag und mit Unterstützung des Goethe-Instituts und von Bibliothek & Information International in New York aufhält, besucht man eben ganz unterschiedliche Orte in den fünf Bezirken der Stadt und blickt in weitaus mehr Lebenswelten. Dabei wird immer wieder deutlich, dass New York aus den zahlreichen Geschichten der hier lebenden Menschen besteht. Und gerade die Öffentlichen Bibliotheken spielen in diesen Geschichten eine wesentliche Rolle. Dass die Bibliotheken eine so große Bedeutung für die beruflichen ebenso wie für die privaten Lebensläufe übernehmen können – übrigens nicht nur in New York, sondern auch in Albany, der Hauptstadt des Bundesstaates New York, die ich am 1. Oktober besucht habe, und in Washington/DC, wo ich mich zum Abschluss meiner Reise vom 5. bis 10. Oktober aufhielt –, hat mehrere gute Gründe.
Frank Simon-Ritz
Enrich your life
Erfahrungen als »Librarian in Residence« in New York und Washington/DC (Teil 2) / Lobbyarbeit gehört zum Alltagsgeschäft
Es ist fast schon eine Redewendung, dass keiner so von einer Reise zurückkehrt, wie er losgefahren ist. Nach einem 19-tägigen Fachaufenthalt in New York und Washington kann ich bestätigen, dass dies auch für Bibliotheksreisen gilt. Damit ist bereits die Antwort auf die Frage vorweggenommen, ob solche Auslandsaufenthalte sinnvoll sind. Meine eindeutige Antwort lautet: Ja, es ist sinnvoll, sich auf andere Bibliothekssituationen und Bibliothekskonzepte einzulassen. Dies kann den eigenen Bibliothekshorizont erweitern und zu neuen Fragestellungen anregen. Es sollte dazu führen, dass man nach der Rückkehr mit neuen Augen auf das eigene Tätigkeitsfeld schaut. Dies setzt – wie beim »richtigen« Reisen – eine gewisse »Disposition« beim Reisenden voraus. Auch der Bibliotheksreisende muss neugierig sein und offen für das Unerwartete (weil Unbekannte).
Dale Askey
Keine Zeit fürs Nachdenken
Erfahrungen eines US-amerikanischen Dozenten an der HTWK Leipzig
Dale Askey beendet gerade sein zweites Semester an der Fakultät Medien der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig (HTWK), wo er als Gastdozent den Lehrstuhl für Electronic Publishing und Multimedia vertritt. Beruflich ist er – in erster Linie – Bibliothekar in den USA. Bei weniger als 50 Prozent seiner Lehrveranstaltungen in Leipzig ist er mit dem Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft beschäftigt, dafür aber auch für die Studiengänge Buchhandel/Verlagswirtschaft, Museologie und Verlagsherstellung im Einsatz. Das ist für ihn sowohl eine große Herausforderung als auch ein echtes Highlight, denn er hat damit als Bibliothekar die Möglichkeit, von StudentInnen anderer Fächer zu lernen; die StudentInnen wiederum haben die eher seltene Gelegenheit, die Perspektive eines Bibliothekars zu aktuellen Themen aus der Medienwelt kennenzulernen. Im Folgenden beschreibt Askey seine bisherigen Eindrücke und Erfahrungen.
Elke Lang
In die Parade geflogen
FH Darmstadt startet Kooperation mit Rutgers State University: Regelmäßige Besuche und Lehrveranstaltungen geplant
Ungewöhnlicher Termin für eine Premiere: Pünktlich zum Vorabend der Thanksgiving-Parade sind 15 Studierende der Hochschule Darmstadt vom Bachelor-Studiengang Information Science and Engineering/Informationswissenschaft des Fachbereich Media mit ihrer Dozentin in New York gelandet, um eine inhaltsreiche Woche an der amerikanischen Partnerhochschule, der Rutgers State University (School of Communication and Informa- tion), zu verbringen.
Beate Hörning
Auf der Spur der Freiwilligen…
Mit dem Zug durch die Vereinigten Staaten: Eine Reise zu den Volunteers der Public Libraries
Es mag vielleicht etwas abwegig klingen, bei der Planung einer Bibliotheks-Studienreise durch die USA ausgerechnet an den Zug als Fortbewegungsmittel zu denken. Schaut man sich jedoch die Stadtpläne der Ortschaften entlang der noch verbliebenen Bahnlinien näher an, so ist man ziemlich überrascht, die Public Libraries oftmals nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt zu finden. Darum setze Beate Hörning sich in den Zug und machte sich im März 2009 auf, die Öffentlichen Bibliotheken zwischen New York und Santa Monica vier Wochen lang zu erkunden und die freiwilligen Mitarbeiter einiger Bibliotheken zu befragen. Bei ihrer Reise von der Ost- an die Westküste der Vereinigten Staaten durchquerte sie dabei die Staaten New York, Illinois, Iowa, Missouri, Kansas, Colorado, New Mexico, Arizona sowie Kalifornien und legte Zwischenstopps ein in: Chicago, Rushville, Beardstown, Mount Sterling, Fort Madison, Kansas City, Garden City, Lamar, Santa Fe, Albuquerque, Los Lunas, Flagstaff, Grand Canyon und Los Angeles.
Weitere Themen
Susanne Richt
Bienvenidos a Leipzig
Spanien ist Gastland des 4. Kongresses für Information und Bibliothek / Leipziger Buchmesse setzt auf Leseförderung
Unter dem Motto »Menschen wollen Wissen! Bibliotheken im 21. Jahrhundert: international, interkulturell, interaktiv« veranstaltet die BID (Bibliothek & Information Deutschland) vom 15. bis 18. März zum 4. Mal den Leipziger Kongress für Information und Bibliothek. Erwartet werden um die 3.000 Kongressteilnehmer und 130 Aussteller im Congress Center Leipzig (CCL). 250 Fortbildungsangebote stehen im Laufe der vier Tage auf dem Programm, die am letzen Kongresstag startende Leipziger Buchmesse verschafft noch zusätzliche Angebote für Bildungshungrige. Auf dem Kongress stehen diesmal die spanischen Bibliotheken im Mittelpunkt und bringen etwas Mittelmeerflair in den deutschen (Vor-)Frühling.
»Die Bücher können doch weg ...«
Peter-Sodann-Bibliothek kämpft für den Erhalt von Büchern aus DDR-Verlagen
Peter Sodann, alias Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher, sammelt Bücher. Nicht irgendwelche, sondern Bücher die zwischen dem 8. Mai 1945 und dem Mauerfall in der Deutschen Demokratischen Republik verlegt wurden. Viele dieser nun historischen Bestände sind im Zuge der Wiedervereinigung auf der Müllkippe gelandet, ganze Bibliotheken wurden vernichtet. Für Sodann war die Entsorgung der Bibliothek des Gewerkschaftshauses in Halle ein Schlüsselerlebnis, die Unbekümmertheit, mit der ein Stück Kulturgeschichte im Abfall landete, erschütterte ihn zutiefst. Darum sah Peter Sodann Handlungsbedarf. Zwar konnten die Bestände der Gewerkschaft nicht mehr gerettet werden, aber anderen Büchern aus DDR-Tagen konnte er dieses Schicksal ersparen.
Charlotte Bauer
Arbeiten rund um die Uhr
Campus-Bibliothek der Universität Leipzig als 24/7-Betrieb eröffnet
Am 23. Oktober 2009 ist in Leipzig die Campus-Bibliothek als erste 24-Stunden- Bibliothek Sachsens eröffnet worden. Sie ist mit einer Kapazität von 500 000 Bänden und 550 Benutzerarbeitsplätzen nach der Bibliotheca Albertina die größte Zweigbibliothek innerhalb des Bibliothekssystems und Nachfolgeeinrichtung der alten Zweigstelle für Geistes- und Sozialwissenschaften, die am selben Ort 1978 eröffnet wurde. Entsprechend der damals üblichen Bibliothekspraxis war sie als Magazinbibliothek errichtet worden, nur circa fünf Prozent der Bestände waren in Freihand zugänglich. Die meisten Räume, so auch die Mitarbeiterzimmer, waren fensterlos. Die beiden Etagen des unterirdischen Magazins wurden von einer großen doppelstöckigen Regalanlage gebildet. Dies hat sich nun grundlegend geändert. Charlotte Bauer – stellvertretende Direktorin der UB Leipzig – stellt die neue und zeitgemäße Campus-Bibliothek im Folgenden vor.
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