Heft 02/2012 >> Artikelauszüge
SCHWERPUNKT: Lernort Bibliothek Albert Bilo, Anke Petschenka, Ulrike Scholle Die Räume von Hochschulbibliotheken werden trotz intensiver Nutzung von wissenschaftlichen Informationen und Literatur aus dem Netz stark nachgefragt. Dafür lassen sich eine Reihe von bibliotheksfachlichen und didaktischen Erklärungen anführen, die zugleich die Grundlage für die gezielte Umgestaltung von Bibliotheksflächen sind, wie sich anhand der durchweg positiven Erfahrungen der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen zeigen lässt. Christine Gläser, Anke Petschenka Das Interesse am Thema »Lernräume an Hochschulen« ist seit einigen Jahren ungebrochen hoch. Internationale Konzepte zu Learning Commons und Learning Centers geben hierzu wichtige Impulse, können aber auch nicht eins zu eins auf deutsche Verhältnisse übertragen werden. Um den Stand der Entwicklungen in Deutschland dokumentieren und auswerten zu können, hat die DINI-AG Lernräume eine Bestandsaufnahme begonnen, die die Initiativen der verschiedenen Serviceeinrichtungen an Hochschulen zusammenführt. Dieser State-of-Art-Report soll möglichst viele Praxisbeispiele enthalten, um den Stand der Entwicklung und Gestaltung von Lernräumen in Deutschland abzubilden. Petra Büning Als das Land Nordrhein-Westfalen 2009 das Projekt »Lernort Bibliothek – zwischen Wunsch und Wirklichkeit« ausschrieb, arbeiteten die Öffentlichen Bibliotheken seit acht Jahren systematisch mit Kindergärten und Schulen im Rahmen von Bildungspartnerschaften zusammen. Was der Begriff »Lernort Bibliothek« für das Lernen außerhalb schulischer Lernprozesse bedeutete, war bis dahin noch nicht thematisiert worden. Individuell Lernende sind keine homogene Zielgruppe. Deshalb kommen diese Kunden mit spezifischen Anforderungen und Erwartungen in ihre Bibliothek. Diese Ausgangslage war Anlass für das Kulturministerium, die Gestaltung informeller Lernprozesse in Öffentlichen Bibliotheken zu untersuchen. Frank Daniel, Dirk Ehlen »Fanpages und Likes – ade?«1 – die Bundesverbraucherschutzministerin sowie die Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes haben dem laufenden Verstoß von Facebook gegen deutsches Datenschutzrecht den Kampf angesagt. Es kann daher sein, dass auch Bibliotheken bald ihre institutionellen Seiten löschen müssen2, auch wenn diese Aufforderung juristisch noch umstritten ist.3 Traditionell orientierte Bibliothekarinnen und Bibliothekare fühlen sich in ihren Vorurteilen nun bestätigt. Sie mögen sich nun wieder entspannt zurücklehnen wollen, denn was hat ihrer Meinung nach Social Media mit der Bibliothek zu tun? Doch führt diese Einstellung – wie auch immer der Facebook-Streit ausgehen mag – die Bibliotheken langfristig auf ein Abstellgleis. Julia Bergmann, Christoph Deeg, Petra Imwinkelried In den letzten zehn Jahren hat sich unsere Kommunikations- und Medienwelt nachhaltig verändert. Das sogenannte Web 2.0, Computergames, das mobile Internet, E-Books et cetera haben einen immer größer werdenden Einfluss auf die Kultur- und Wissensvermittlung. Diese Veränderungen betreffen in zunehmendem Maße auch die Bibliotheken. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Frage, ob man das eigene Angebot um neue Services erweitert. Vielmehr geht es um die Neuausrichtung der Bibliothek als Ganzes. Wie sich sowohl die Aufgaben der Bibliothek als auch die Berufsbilder der in der Bibliothek tätigen Personen verändern darüber berichten Julia Bergmann, Petra Imwinkelried und Christoph Deeg in diesem Beitrag. Andreas Klingenberg Der »Gemeinsame Referenzrahmen Informationskompetenz« ist im Auftrag und unter Mitwirkung der Kommission Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) von Andreas Klingenberg entwickelt und im vergangenen Jahr auf dem Jubiläums-Bibliothekartag in Berlin vorgestellt worden. Er soll das gemeinsame Vorgehen von Bibliothekaren und Lehrkräften bei der Vermittlung von Informations- und Recherchekompetenz vorantreiben. Die Kernpunkte des Konzepts und die Anwendungsmöglichkeiten beschreibt Klingenberg im Folgenden.
Weitere Themen: Bau Elisabeth Weidling »Was lange währt, wird endlich gut«, so lauteten die Worte des Stuttgarter Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster in seiner Rede zur Einweihung der neuen Stadtbibliothek am Mailänder Platz im Oktober vergangenen Jahres. Vor rund 14 Jahren hatte der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für den Neubau gefasst. Doch Unklarheiten über das Bauprojekt »Stuttgart 21« – hinterm Hauptbahnhof ist auch die neue Bibliothek angesiedelt – führten zu massiven Verzögerungen des Bibliothek-Neubaus (siehe Interview auf den Seiten 154 bis 155). Als erstes fertiggestelltes Gebäude auf dem brachliegenden Areal ist eine hochmoderne Bibliothek entstanden, die wegen ihrer Architektur Diskussionen auslöste. Während die einen von einem »Büchertempel« sprechen, bezeichnen die anderen den Neubau als »Bücherknast«, der aufgrund seiner quadratischen Form mit den vielen Fenstern an ein Gefängnis erinnere. Nach der Eröffnung waren jedoch die positiven Medienberichte in der Überzahl. Der helle Galeriesaal ist ästhetisch überaus ansprechend und mit ausschließlich Büchern »ein Statement für die Buchkultur«, wie die Direktorin Ingrid Bußmann erklärt. In der neuen Stadtbibliothek wird die klassische Buchkultur mit den neusten digitalen Entwicklungen verbunden. Im Vordergrund steht die Bibliothek als Ort des Wissensaustausches – sie soll das kulturelle Zentrum des entstehenden Europaviertels bilden. Ausland Marilen Daum »For Children’s Day, the City gets its first library for kids«, meldete die indische Presse am 14. November 2011, der in Indien als Kindertag begangen wird. Es ist der Geburtstag des ersten Premierministers des Landes, Jawaharlal Nehru. Ein bunter Festumzug mit Kindern zur Bibliothek zog viel Aufmerksamkeit auf sich. Mit ihm startete das zweitägige Programm zur Eröffnung der Hippocampus Library for Children. Eine Fülle von Aktivitäten unter Beteiligung bekannter indischer und deutscher Akteure begeisterte Kinder wie Eltern, die in großer Zahl gekommen waren. Zu den Höhepunkten zählten die Aufführungen des Theaterstückes »Schritt für Schritt« der deutschen Theatergruppe »3 hasen oben« an zwei Abenden im Goethe-Institut Chennai. Jan-Pieter Barbian Der »demografische Wandel« stellt Gesellschaften, Unternehmen und Einrichtungen weltweit vor neue Herausforderungen und Probleme. Doch erste Erfahrungen belegen: Wer sich rechtzeitig auf die Veränderungen einstellt, kann von der Entwicklung auch profitieren. Das gilt nicht zuletzt für Bibliotheken, wie der folgende Tagungsbericht von Jan-Pieter Barbian zeigt: In Genua diskutierten Bibliothekare aus fünf europäischen Ländern Strategien zur Bewältigung des demografischen Wandels und stellten erfolgreiche Projekte vor.
|