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Gefahr im Verzug

Die Öffentlichen Bibliotheken in den USA sind für Millionen von Menschen die erste Wahl und oft auch einzige Möglichkeit, sich Zugang zum Internet zu verschaffen. Die Wirtschaftskrise hat diese Tendenz noch verstärkt, wie die im November 2009 durchgeführte Umfrage »Public Library Funding & Technologie Access« zeigt. Die Studie ist ein mehrjähriges Projekt, das den öffentlichen Zugang zu Computern, dem Internet und Dienstleistungen über das Internet in US-amerikanischen Öffentlichen Bibliotheken bewertet. Die Ergebnisse sind unter www.ala.org/plinternetfunding nachzulesen.

Trotz der steigenden Nachfrage nach Bibliothekscomputern und Bibliotheksserviceleistungen haben Bibliotheken in den USA bisher keine entsprechende Budgeterweiterung erfahren, sondern sehen sich im Gegenteil mit drastischen Kürzungen konfrontiert. So stehen viele vor der Herausforderung, trotz finanzieller Engpässe einen wachsenden Bedarf zu befriedigen.

Wie zum Beispiel die Washoe County Public Libraries (Nevada), die innerhalb der letzten beiden Finanzjahre beinahe 40 Prozent ihres Etats eingebüßt haben und im Juli mit weiteren Kürzungen rechnen müssen. Was bisher dazu führte, dass die Öffnungsstunden um ein Viertel reduziert wurden und fast jeder dritte Angestellte sich anderweitig nach Arbeit umsehen muss. Camila Alire, Präsidentin der American Library Association, ist besorgt: »Mich erschreckt der Gedanke, dass für jede Stunde, die eine Bibliothek geschlossen wird und für jede Serviceleistung, die verloren geht, Tausende die Möglichkeit ver- lieren, ihr Leben durch Bildung zu verbessern.«

Mit viel Glück bleiben deutsche Bibliotheken von ähnlich drastischen Einsparungen verschont. Sicher ist das jedoch nicht. So werden etwa im Doppelhaushalt 2010/11 der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart bereits 5,8 Millionen Euro im Kulturbereich eingespart, davon betroffen ist auch die Stadtbücherei (Seite 206).

Um finanzielle Einbußen so gering wie möglich zu halten, ist eine intensive Lobbyarbeit für Bibliotheken unerlässlich. Den politisch Verantwortlichen muss vor Augen geführt werden, wie wichtig Bibliotheken gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind. So konnten die Öffentlichen Bibliotheken in New York erreichen, dass die Kürzungen des Budgets für 2009/10 von ursprünglich 22 auf lediglich 5 Prozent begrenzt wurden (siehe Seite 234).

Auch anderweitig stecken die Kollegen in den USA ihre Köpfe angesichts der anhaltenden Schwierigkeiten nicht in den Sand, wie die Beiträge im Themenschwerpunkt dieser BuB-Ausgabe zeigen (ab Seite 214). Bibliothekare aus Deutschland und den USA stellen hier ihre Erfahrungen mit den Bibliothekssystemen des jeweilig anderen Landes vor, wägen Vor- und Nachteile ab, ziehen Vergleiche.

Nicht immer sind die Konzepte und Best-Practise-Beispiele in der jeweils anderen Kultur umsetzbar, der transatlantische Austausch ist dennoch im vollem Gange: Während an der Humboldt Universität zu Berlin versucht wird, das bibliothekarische Studium nach amerikanischem Vorbild umzugestalten (Seite 225), knüpft die FH Darmstadt erste zarte Bande einer Partnerschaft mit der Rutgers State University (Seite 244).

Susanne Richt
(BuB-Redakteurin)

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