Mit dem Dreikönigstag am 6. Januar beginnt wieder das närrische Treiben, das über Weihnachten geruht hat. Bis Aschermittwoch sind die Narren los – auch in der Badischen Landesbibliothek, wo die Ausstellung »Narrenfreiheit!? Eine kleine Geschichte des Regelbruchs« zu sehen ist.
Gerade zur Fastnacht ist der Begriff der Narrenfreiheit allgegenwärtig: Ob das Treiben bei den Umzügen und Narrensprüngen oder die Büttenreden – immer wieder stoßen die Narren auf Ablehnung und Unverständnis. Dabei können sie auf eine Tradition blicken, die sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt: Die Fastnacht zählt zu unseren ältesten Bräuchen. Woher die Narren ihre Freiheit nehmen, ob sie wirklich so unbegrenzt ist, wie man glaubt, und welchen Preis sie dafür zahlen – diesen Fragen geht die Ausstellung auf den Grund, von den Psaltern des ausgehenden Mittelalters bis zu den Karnevalszeitungen der Moderne.
Denn der Narr tritt schon in Psalm 53 als Gottesleugner in Erscheinung – und macht sich damit zum Verbündeten des Teufels. In der Moralsatire, allen voran Sebastian Brants »Narrenschiff« von 1494, dient er als warnendes Beispiel. In den Totentänzen der Frühen Neuzeit schlüpft der Tod ins Narrenkostüm und bricht alle gesellschaftlichen Regeln, indem er unterschiedslos die Angehörigen aller Stände in seinen Reigen zieht. Der Hofnarr wiederum hat eine zwiespältige Rolle: Zwar steht er dem Fürsten näher als jeder andere Höfling und darf ihm die Wahrheit sagen, ist aber weder vor dem Zorn seines Herrn noch vor der Missgunst der übrigen Höflinge geschützt. Und schließlich wurde auch die Freiheit der Fastnachtsnarren stets durch Verordnungen eingeschränkt – viele Kenntnisse der historischen Fastnacht verdanken wir den in den Archiven überlieferten Verboten.
Der Narr ist also eine schillernde und widersprüchliche Gestalt. Die Ausstellung folgt seiner Spur vom sündhaften Gottesleugner der Bibel, der für seine Freiheit sein Seelenheil aufs Spiel setzt, über den gewitzten Schalk bei Hofe bis hin zu den heutigen Fastnachtsnarren, die zuweilen gleichfalls ihre Zunge hüten müssen.
