Lesekompetenz ist eine Schlüsselkompetenz für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Sie beginnt lange vor dem ersten Schultag und reicht weit über das Lesenlernen hinaus. Zum »Tag der Bibliotheken« am 24. Oktober unterstreicht der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) die Notwendigkeit, die politischen Anstrengungen für die Leseförderung in Deutschland deutlich zu verstärken.
Angesichts der schlechten PISA-Ergebnisse müssen insbesondere die Orte gestärkt werden, an denen alle Menschen unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund Zugang zu Medien und Wissen erhalten.
Öffentliche Bibliotheken spielen bereits in der frühen Kindheit eine wichtige Rolle. Mit Vorlesestunden, Bilderbüchern und Veranstaltungen schaffen sie niedrigschwellige Räume, in denen Kinder Sprache und Geschichten erleben und Freude am Lesen entwickeln können. Gemeinsam mit Kitas, Schulen und weiteren Bildungspartnern bilden sie ein breites Netzwerk für die Leseförderung von Kindern und Familien. Bibliotheken erreichen dabei auch Familien, die von klassischen Bildungsangeboten nicht immer gleichermaßen angesprochen werden.
Doch Lesekompetenz endet nicht mit dem Lesenlernen. In einer Gesellschaft, in der Informationen jederzeit und in großer Menge verfügbar sind und Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend unseren Umgang mit Wissen, Kommunikation und Entscheidungen prägt, wird es immer wichtiger, Inhalte zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen, Quellen kritisch zu bewerten.
Wissenschaftliche Bibliotheken leisten hierzu einen wichtigen Beitrag: Sie ermöglichen den Zugang zu Literatur und wissenschaftlichen Informationen, bieten Räume für fokussiertes Arbeiten und unterstützen wissenschaftliche Lern- und Erkenntnisprozesse. Gerade angesichts der zunehmenden Nutzung von KI gewinnen diese Aufgaben an Bedeutung.
Zum »Tag der Bibliotheken« am 24. Oktober sagt Antje Theise, Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes: »Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 haben gezeigt, dass fast ein Drittel der Fünfzehnjährigen Schwierigkeiten hat, Texte sinnentnehmend zu verstehen.
Diese Defizite setzen sich im weiteren Bildungsweg oftmals fort. In den wissenschaftlichen Bibliotheken erleben wir immer mehr, dass das Lesen und Verstehen komplexer Texte für viele junge Erwachsene eine Hürde darstellen. Umso wichtiger ist es, diese Fähigkeiten zu stärken. Denn unzureichende Lesekompetenzen sind nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftliches und infolgedessen ein wirtschaftliches Problem.
Gerade im Zeitalter von KI brauchen wir Menschen, die nicht nur Antworten erhalten, sondern sie verstehen, prüfen, einordnen und sich ein eigenes Urteil bilden können. Leseförderung muss daher als gemeinsame Aufgabe aller Bildungspartner verstanden werden. Dafür brauchen wir verlässliche politische Rahmenbedingungen. Nur so kann Leseförderung dort ansetzen, wo sie gebraucht wird.«
Der dbv fordert daher eine nachhaltige Strategie für Lesekompetenz, die Bibliotheken, Kitas, Schulen und Hochschulen systematisch zusammendenkt.
Weitere Beiträge und Hintergründe zum Thema finden Sie auf unserer Themenseite Leseförderung und Bildung in Bibliotheken.

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