Medienzwerge - Kreative digitale Medienarbeit in der Kita

Wie Kinder in Karlsruhe mit Bilderbuchkino, Stop-Motion und kreativen Medienprojekten spielerisch digitale Medien entdecken und selbst gestalten.
Bei der kreativen, digitalen Medienarbeit in der Kita ging es um kindliche Fantasie, Sprache und digitale Medien auf spielerische Weise zusammenzubringen und frühkindliche Medienerfahrungen zu fördern. Foto: Moritz Brylski

»Die karierte Katze schnappte sich die Gespensterspaghetti und fraß sie auf. Etwas Tomatensoße dazu, und sie wären noch besser gewesen.«1 Kein Problem für die Medienzwerge! Flugs wird auf dem Tablet blaue und rote Tomatensoße dazu gemalt. Bei dem Kooperationsprojekt »Medienzwerge – kreative digitale Medienarbeit in der Kita« der Stadtbibliothek Karlsruhe mit der Kita Turmspatzen und der Kinemathek Karlsruhe ging es genau darum: kindliche Fantasie, Sprache und digitale Medien auf spielerische Weise zusammenzubringen und frühkindliche Medienerfahrungen zu fördern. 

Im Herbst 2025 entdeckten zwölf Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren Bilderbuchkinos auf der kleinen und großen Leinwand, setzen eigene kreative Medienprojekte um und erkundeten die Kinemathek und die Kinder- und Jugendbibliothek. Digitale Medien wurden von den Allerkleinsten kindgerecht erlebt und selbst aktiv gestaltet.  

Digitale Medienarbeit in der Kita: Das Projekt Medienzwerge

Möglich machten das Projekt Fördermittel des Deutschen Bibliotheksverband über das Förderprogramm »Gemeinsam digital« von »Kultur macht stark«.  Mit diesen wurde unter anderem der Erzieher und Medienpädagoge Moritz Brylski engagiert, der bereits viele Erfahrungen in der frühkindlichen Medienbildung mitbrachte und auch in seinem Hauptberuf als Erzieher engagiert die Inhalte des neuen Orientierungsplan für Kitas umsetzt. 

Frühkindliche Medienbildung mit Bilderbuchkino und Stop Motion

In neun wöchentlichen Terminen in der Kita Turmspatzen führte der »Medienmoritz« die Kinder an digitale Bilderbuchkinos von Onilo heran, immer verbunden mit einer analogen Aktivität, wie Ausmalbilder, Bastelaktionen oder Spiele. Immer mit dabei: sein eKami, eine pädagogische Flightcase-Medienzentrale, die er selbst entworfen hat. Der »magische Medienkoffer« mit seinen verschiedenen Funktionen, wie Präsentation, Dokumentation und Kreation in einem kindgerechten Format, ermöglicht das Mitmachen bei Medienpräsentation sowie das eigene Gestalten von Medien – und kam sehr gut an bei den Kita-Kindern.

In den Herbstferien fand zusätzlich zu den wöchentlichen Terminen eine ganze Projektwoche statt, in der die Medienzwerge jeweils drei Stunden am Vormittag in der Kinder- und Jugendbibliothek zu Besuch waren. Die Basics der Bibliotheksbenutzung lernten die Kinder in Kleingruppen mit einer Erzieherin beziehungsweise Bibliothekarin durch eine Actionbound-Rallye. Dafür wurde die schon existierende Rallye für 5. Klässler/-innen an die jüngere Altersstufe angepasst. Daneben drehten die Kinder eigene Stop-Motion-Filme mit Lego-Steinen und der kostenfreien App »Animator«, welche durch ihre einfache Benutzeroberfläche auch gut für Kita-Kinder zu bedienen ist. Außerdem erkundeten die Kuscheltiere der Kinder die Bibliothek, angelehnt an die Kuscheltierübernachtungen, die in der Bibliothek regelmäßig stattfinden.

Großes Kino für kleine Zwerge: am dritten Tag der Projektwoche lernten die Medienzwerge das Kino »Kinemathek« kennen, wo sie an den Anfang der Filmgeschichte zurückkehrten: Carmen Beckenbach, Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt Neue Medien, zeigte mit einem Daumenkino und Super8-Projektor, wie Filme entstehen. Als besonderes Highlight durften die Kinder die Leinwand genauer unter die Lupe nehmen und einmal laut ins Mikro sprechen. Berührungsängste? – Fehlanzeige!

Vernetzungstreffen zur Medienbildung in der Kita

Gegen Ende des Projekts fand ein Vernetzungstreffen für pädagogische Fachkräfte statt. Zehn Erzieher/-innen aus Karlsruhe und Umgebung informierten sich über das Projekt und diskutierten in der Kinemathek darüber, wie sie sich Medienbildung in der Kita wünschen – und welche unterschiedlichen und übereinstimmenden Bedürfnisse und Anforderungen Einrichtungsleitungen, Erzieher/-innen, Eltern und Kinder haben. Am Ende zeigten Kinemathek und Kinder- und Jugendbibliothek Kooperationsmöglichkeiten auf. Eine Teilnehmerin: »Die Veranstaltung gestern war mega. Und ich würde mich freuen, wenn es so etwas öfters gibt!«

Zum feierlichen Abschluss präsentieren die Kinder ihre animierten Bildergeschichten auf der großen Kinoleinwand. Eltern, Geschwister und der Karlsruher Kulturbürgermeister Dr. Albert Käuflein nahmen auf den Kinosesseln Platz und schauten sich an, was die Kinder in drei Monaten Projektlaufzeit an Fotos, Videos und Zeichnungen erstellt hatten. Die Ergebnisse sind nun im Nachhinein auch auf einem digitalen Bilderrahmen in der Kinder- und Jugendbibliothek für alle zu sehen. So können die Medienzwerge stolz ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren. 

Wie geht es weiter mit den Medienzwergen?

Wie geht es weiter? Die Kita Turmspatzen will die Bibliothek nun öfter besuchen. 

Ein Konzept zur »Ausbildung zum Medienzwerg« in der Kinder- und Jugendbibliothek ist am Entstehen – damit weitere Kitakinder digitale Medien erleben und kreativ umsetzen lernen. 

In der Kinemathek startet eine neue Reihe der Bilderbuchkinos: zweimal im Monat wird eine Onilo Boardstory gezeigt, am Vormittag für Schulklassen der 1. und 2. Klasse und am Nachmittag für alle Interessierten. Und davon gibt es viele: Der Kinosaal war beim letzten Termin mit der Geschichte »Pettersson und Findus« mit 70 Kindern und ebenso vielen Erwachsenen fast bis zum letzten Platz gefüllt.

 

DOI: 10.24403/jp.1545247

Pia Seifried schloss ihr Studium »Bibliothek und digitale Kommunikation« 2023 ab und arbeitete zunächst als Medienpädagogin der Stadtbibliothek Karlsruhe. Seit August 2024 leitet sie den Bereich Bibliothekspädagogik in der Stadtbibliothek Karlsruhe und ist Mitglied der Fachkommission Bibliothekspädagogik des dbv-Landesverbands Baden-Württemberg.

1 Aus: »Drei miese fiese Kerle« von Paul Maar, mit Bildern von Susan Opel-Götz

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