Schatzsuche in der Bücherei

Das Leseförderprojekt »Büchertürme« sucht Bibliotheken als Partnerinnen, um Kindern frühzeitiges Lesenlernen zu ermöglichen.

Bibliotheken sind Schatzkammern. Sie bewahren in Büchern und Medien einen kostbaren Schatz, der heute mehr und mehr verloren geht: unseren Wortschatz.

Vielen Menschen fällt es schwer, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken, weil ihnen »die richtigen Worte fehlen«. Man redet in Kürzeln, verwendet Icons in Mails und Posts. Das Handy ist in Bus und Bahn omnipräsent und hat das Buch fast verdrängt. Der Familienabend endet vor dem Fernseher.

Kein Wunder, dass Kinder das Lesenlernen schwerfällt, wenn wenig mit ihnen gesprochen wird, wenn ihnen nie vorgelesen wurde, wenn ein Handy das Buch in der Hand ersetzt.

Wortmangel ist genauso schlimm wie Geldmangel. Und oft führt das Erste zum Letzteren. Wer sich nicht »zu Wort melden kann« hat im Leben schlechte Karten. Und ein ungleiches Wortgefecht führt – nicht nur bei Kindern – oft zu Gewalt.

Deshalb müssen wir mit unseren Kindern auf Wortschatzsuche gehen und ihnen über das frühzeitige Lesenlernen die bestmöglichen Bildungschancen ermöglichen.  

Das Leseförderprojekt »Büchertürme« ist ein möglicher und fantasievoller Weg dahin. Und unser wichtigster Wegweiser für die Schatzsuche führt in die Bücherei.
 

»Turmhoch lesen«: So funktioniert das Leseförderprojekt Büchertürme

Unsere Büchereien/Bibliotheken/Bücherhallen sind der »Steinbruch« in dem unsere Kinder das »Baumaterial« für ihren individuellen »Lesebaustein« (das heißt ihren eigenen kleinen »Bücherturm«) bekommen. Da sind die Bestände im Kinderbuchbereich eine wahre Goldgrube für Wortschatzsucher!

Wir weisen auf der »Bücherturm«-Webseite unter »So geht´s« (Punkt 6) ausdrücklich auf diese wunderbare Art der Materialbeschaffung hin.

Da finden unsere Lesesportler/-innen auch den Tipp, dass sie durch die Beantwortung der Antolin-Fragen zu den gelesenen Büchern zusätzlich »punkten« können.

Den meisten Kindern macht es Spaß, bei der Beantwortung der einfachen Sinn- und Unsinn-Fragen zu zeigen, dass sie den Text verstanden haben. Und sie lassen sich gern mit Punkten und Auszeichnungen dafür loben.

Wir »Leseförderer« dürfen uns nicht als Konkurrenz betrachten, wie es leider oft geschieht, sondern wir sollten uns vernetzen. Auch wenn Sie in Ihrer Bücherei schon vielfältige Lesefördermaßnahmen ausprobiert haben, scrollen Sie sich doch mal durch unsere Webseite und entdecken Sie das reiche Ideenspektrum der Türmebauer/-innen. Dann merken Sie, wie viel Begeisterung und jahrelanges Engagement dahintersteckt.

Wir machen seit 15 Jahren Leseförderung im Stillen: direkt an der Basis mit der Basis. Mitmachen kostet nichts außer ein bisschen Zeit und Engagement.

Der Erfolg gibt uns recht: über zwei Millionen gelesene Bücher zeigt der Tacho auf unserer Webseite, 388 Türme sind erlesen worden und Preise haben wir auch gewonnen.

Aber wir müssen ein bisschen lauter werden, um bemerkt zu werden. Helfen Sie uns dabei? Sprechen Sie zum Beispiel mit Lehrern und Schulklassen, die ihre Bücherei besuchen und weisen Sie sie auf diese Lesemotivation hin.

Vielleicht starten Sie in Ihrer Gemeinde (gemeinsam mit lokalen Schulen) einen eigenen Leseturm und halten etwas Baumaterial (zum Beispiel Klassensätze) in Ihrer Bücherei bereit. Lassen Sie sich von unseren Beispielen aus der Praxis anregen!

Bei Fragen melden Sie sich gerne bei Ursel Scheffler, Büchertürme e.V. unter info@büchertürme.de

Eine große Bibliothek mit ihren Zweigstellen kann als Projekt einen eigenen lokalen Turm ausschreiben und die Schulen zum Mitmachen ermuntern.

Es muss ja nicht gleich die ganze Stadt zum Lesen aufgefordert werden, wie es vor einigen Jahren die Stadtbücherei Nürnberg gewagt hat, die auf Drängen der Kinder ausgerechnet den Fernsehturm als Leseziel auswählte.

Man kann auch einen Lieblingsturm mehrfach erlesen, wie die Stadtbibliothek Mannheim, die zum sechsten Mal den Wasserturm geschafft hat.

Oder man kann als kleine Bücherei einer Schule oder Kita für den Wettbewerbszeitraum das »Baumaterial« zur Verfügung stellen. So entstand 2022 das Pilotprojekt für unsere VORLESETÜRME in Mainz. Ziel war der Kletterturm einer Kita.

Das Projekt »Büchertürme« wurde am 11.11.11 um 11h 11 von der Hamburger Kinderbuchautorin Ursel Scheffler mit dem Aufruf »Kinder lest euch auf den Michel« ins Leben gerufen.

  1. Ihre Grundidee: »Fördern durch Fordern« 
    mit Spaß und Spannung (gelesen werden darf, was Spaß macht)

  2. gelesen wird zuhause (du darfst lesen, wie und wo du willst)

  3. es ist keine Hausaufgabe, man »darf« für die Büchertürme lesen

  4. die Leseleistung wird in PISA gemessen (ein Büchertürm von 10 Zentimeter = 1 PISA)

  5. die gelesenen Bücher werden (Autor /Titel/Buchdicke) in der persönlichen Leseliste erfasst (kostenloser Download auf der Webseite)

  6. gemessen wird in der Schule (Leselisten, PISA-Meter)

  7. gezählt wird am Ende die Team-Leistung der Klasse, es wird keiner entmutigt,
    die guten Leser ziehen die langsameren mit  

Der »Hauptgewinn«: Wenn dann auch der Letzte das erste dicke Buch geschafft hat, dann kann er lesen – lebenslänglich!

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