Bauen im Bestand: Bibliotheken neu denken

Der 29. Sommerkurs des Berufsverbands Information Bibliothek (BIB) stand unter dem dem Motto »Bauen im Bestand: Bibliotheken neu denken«.
Vier Tage intensive Beschäftigung mit dem Thema »Bauen im Bestand«: die Teilnehmenden des diesjährigen BIB-Sommerkurses in Mannheim. Foto: Frank Redies

Wie lassen sich Bibliotheken an neue Nutzungsbedürfnisse anpassen, ohne ihre Identität aus dem Blick zu verlieren? Mit dieser Frage beschäftigte sich der 29. Sommerkurs des Berufsverbands Information Bibliothek (BIB) vom 26. bis 29. Juli 2026 in Mannheim. Unter dem Motto »Bauen im Bestand: Bibliotheken neu denken« verband der Kurs fachliche Impulse mit Praxisbeispielen, Bibliotheksführungen und Exkursionen. So konnten die Teilnehmenden unterschiedliche Perspektiven auf die Planung und Weiterentwicklung von Bibliotheksräumen kennenlernen.

Ankommen und erste Einblicke

Der Sommerkurs begann am Sonntagabend mit dem Check-in im nahegelegenen Hotel zum Veranstaltungsort. Bei einem gemeinsamen Abendessen bestand Gelegenheit zum Kennenlernen und zum ersten fachlichen Austausch. 

Am Montag startete das Programm an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA). Nach der Begrüßung der stellvertretenden Kanzlerin Katharina Puchalla stellte Dominic Funk, Teamleitung Bibliothek und Medien, seine Erfahrungen aus dem vergangenen Umbauprojekt am Standort Mannheim sowie das aktuelle Projekt in Schwerin vor. 

Mit einer anschließenden Führung durch die Bibliothek gab es Einblicke in die Räume und den Arbeitsalltag; dem Rundgang schloss sich ein Austausch mit dem Bibliothekspersonal an.

Impulse für den Bibliotheksbau

Den fachlichen Schwerpunkt des ersten Tages setzte Klaus Ulrich Werner. Ausgehend von den baulichen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Bibliotheksbaus und der DIN 67700 ging es um den Megatrend des kollaborativen Arbeitens in Bibliotheken. 

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Frage, welche baulichen Veränderungen sich auch mit begrenztem Budget schnell umsetzen lassen. Damit rückte neben langfristigen Planungsprozessen auch die Möglichkeit in den Blick, vorhandene Räume schrittweise weiterzuentwickeln.

Am zweiten Tag widmete sich Anja Thimm (Fachstelle für öffentliche Bibliotheken in NRW) dem Bibliothekskonzept als Grundlage für die Raumplanung. Ihre praxisnahen Impulse zur Gestaltung attraktiver Aufenthaltsbereiche machten deutlich, dass Raumplanung eng mit den Anforderungen und Bedürfnissen der Nutzer/-innen verbunden ist. 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Barrierefreiheit als zentralem Bestandteil zukunftsfähiger Bibliotheken. Nach der Reflexion des theoretischen Rahmens folgte am Nachmittag die Praxis: Bei Exkursionen zur Gemeindebibliothek Neuhofen und zur Stadtbibliothek Ludwigshafen konnten die zuvor behandelten Fragen anhand konkreter Räume und Konzepte betrachtet und diskutiert werden.

Theorie mit Checkliste in die Praxis übertragen

Den Abschluss des Fachprogramms gestaltete Olaf Eigenbrodt. Unter dem Titel »Best Practice mit System« stellte er zunächst vor, wie sich Bibliotheksbesuche mithilfe von Checklisten systematisch begleiten und auswerten lassen. 

Anschließend ging es zu den Bibliotheken der Dualen Hochschule Mannheim und der Universitätsbibliothek Mannheim. Die Führungen wurden von Olaf Eigenbrodt begleitet. Im Anschluss werteten die Teilnehmenden ihre Beobachtungen gemeinsam im ExpLAB der UB Mannheim aus. 

So wurde aus dem Bibliotheksbesuch eine strukturierte Praxiserfahrung: Die zuvor vermittelten Kriterien konnten unmittelbar angewendet und mit den Eindrücken vor Ort abgeglichen werden.

Austausch über den Kurs hinaus

Der Sommerkurs zeigte damit an allen drei Tagen die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Fachliche Grundlagen, konkrete Planungsfragen und Beispiele aus unterschiedlichen Bibliotheken ergänzten sich und eröffneten Raum für den Austausch über die eigene berufliche Praxis. 

Auch die gemeinsamen Abendessen wurden von den Teilnehmenden genutzt, um die Themen des jeweiligen Tages weiter zu diskutieren. Dabei gab es positives Feedback zu den Inhalten und zum praxisnahen Aufbau des Kurses.

Die vier Tage machten deutlich: Bibliotheken im Bestand weiterzuentwickeln bedeutet nicht nur, Räume zu verändern. Es geht darum, vorhandene Strukturen neu zu betrachten und sie an die Anforderungen einer sich wandelnden Bibliotheksarbeit anzupassen.

Fortsetzung im Frühjahr

Die positive Resonanz auf den Sommerkurs und die entstandene Warteliste haben die Kommission für Fortbildung (FobiKom) dazu bewogen, einen Wiederholungstermin im Frühjahr – voraussichtlich wieder in Mannheim – anzubieten. Wer beim Sommerkurs in Mannheim im Juli 2026 nicht dabei sein konnte, erhält damit erneut die Gelegenheit, sich mit dem Thema »Bauen im Bestand: Bibliotheken neu denken« auseinanderzusetzen und Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. 

 

Dominic Funk, M.A. LIS , Leitung der Bibliothek der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Campus Mannheim und Schwerin, FobiKom
seit 2023

Frank Redies, Dipl.-Bibliothekar, Studium in Hamburg, Abschluss 1991, aktuelle Beschäftigungsstelle (seit 2003): Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Orientabteilung, Sachgebietsleiter der Druckschri􀀂enbearbeitung. Gremienarbeit beim BIB: 2007-2019, Landesgruppenvorstand Berlin, seit 2024 FobiKom.

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