Platzsparender Schutz für empfindliche Bucheinbände

Ein neu entwickelter Archivumschlag bietet empfindlichen Einbänden Schutz und spart Platz. Die UB Leipzig berichtet über Vorteile und Einsatz.
Historische Ledereinbände mit Goldprägung (Abbildung 1). Empfindliche Oberflächen können beim Ausheben und Einstellen der Bücher durch Reibung beschädigt werden. Foto: UBL

Nicht nur der Inhalt, sondern insbesondere auch die Einbände historischer Bücher zählen zu den schützenswerten Sammlungselementen von Altbestandsbibliotheken. Dazu gehören nicht nur die oftmals reich verzierten und kunstvollen Schmuckeinbände. Auch einfacher gehaltene Einbandarten sind als Zeugnis ihrer Entstehungszeit erhaltenswert. 

Ein umfänglicher Schutz durch Schuber oder Klappkassetten bedeutet jedoch immer auch eine Volumenzunahme des Objektes um mindestens mehrere Millimeter bis Zentimeter und ist daher in der Mengenanwendung oftmals mit erhöhtem Platzbedarf verbunden, der in den meisten Magazinen nicht vorhanden ist. 

Um empfindlichen Einbandmaterialien mit niedrigschwelligen und praktikablen Maßnahmen dennoch einen grundlegenden Schutz zu bieten, wurde von der ZFB ZENTRUM FÜR BUCHERHALTUNG GmbH in Zusammenarbeit und im Austausch mit der Universitätsbibliothek Leipzig ein individuell anpassbarer Archivumschlag entwickelt. 

Im Umschlag enthaltene Perforationen und Rillungen bieten eine hohe Benutzerfreundlichkeit durch eine schnelle und einfache Anpassung auf verschiedene Buchformate.

Historische Bucheinbände schützen und erhalten

Die Universitätsbibliothek Leipzig wurde 1543 gegründet. Zahlreiche spätmittelalterliche Holzdeckelbände aus den Klöstern, die nach der in Sachsen 1539 eingeführten Reformation säkularisiert wurden, gehörten zu ihrem Gründungsbestand. 

Später wurde dieser durch Schenkungen und Nachlässe, seit dem 19. Jahrhundert auch durch systematische Erwerbungen erweitert. 

Heute ist die Universitätsbibliothek eine moderne Bibliothek, die mit circa 5,5 Millionen Medieneinheiten (gedruckt und elektronisch) Studium, Forschung und Lehre an der Universität Leipzig ermöglicht. Aufgrund ihres hohen Anteils an historischem Buchbestand gehört sie zu einer der bedeutendsten Altbestandsbibliotheken Deutschlands.

Ein Kennzeichen von Altbeständen sind ihre besonderen Einbandarten. Neben unverzierten Ledereinbänden finden sich solche mit Goldprägungen (Abbildung 1). 

Doch auch Einbände, die in ihrer Entstehungszeit als einfach und preiswert gehandelt wurden, sind heute schützens- und erhaltenswert. Dazu gehören die historischen Buntpapiereinbände des 18. und 19. Jahrhunderts (Abbildung 2).

Und schließlich besitzen auch die oftmals kunstvoll gestalteten Verlagseinbände des 19. und 20. Jahrhunderts ihren besonderen Wert.

Diesen Wert gilt es, vor Schädigung zu schützen. Diese beginnt oftmals mit dem ungehinderten Einfall von Licht, das am Einband chemische Zerfallsprozesse beschleunigt. Einer mechanischen Belastung ist ein Band immer dann ausgesetzt, wenn beim Ausheben von Büchern benachbart stehende Einbände aneinander reiben.

Schutzboxen für historische Bücher: wirksam, aber platzintensiv

Ein ausgewählter Teil des historischen Bestands wird bereits durch alterungsbeständige Schutzboxen geschützt. Diese Art gewährleistet einen besonders stabilen Schutz, der das Buch rundum betrifft. 

Jedoch bringt die Bauart (Klappkassette, Stülpschachtel, Buchschuber) einen entsprechenden Zuwachs des Platzbedarfs im Magazin mit sich, der nicht immer realisierbar ist. 

Bestände müssten umgesetzt, neue Regale aufgestellt werden. Das ist nicht in allen Fällen möglich, das ist auch nicht immer nötig. 

Zudem bedarf die Herstellung einer individuellen Schutzbox oder eines Schubers einer vorherigen exakten Vermessung des Bandes. Derlei Schutzformen sind also mit einem höheren zeitlichen und produktionstechnischen und demzufolge auch finanziellen Aufwand verbunden und können nicht sofort umgesetzt werden.

Umschläge hingegen bieten für schützenswerte Einbände einen geeigneten Basis-Schutz, dessen Volumenzuwachs vernachlässigt werden kann und der aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses noch dazu besonders wirtschaftlich ist.

Dies war der Anlass die schon seit jeher selbst angefertigten Schutzumschlägen durch eine arbeitsteilende Variante zu verbessern. Anstelle von Archivkarton als Rollenware, die zu diesem Zweck passgenau zugeschnitten werden muss, sollte eine innovative, arbeitsteilende Lösung gefunden werden, die einfach zu handhaben und an verschiedene Buchformate im Altbestand angepasst werden kann.

Platzsparender Schutzumschlag aus Archivkarton

Für den platzsparenden Schutz empfindlicher Einbände wurde vor diesem Hintergrund ein schnell individualisierbarer Schutzumschlag aus archivgerechtem Karton entwickelt (Abbildung 3). 

Der Karton wird einlagig um die Buchdeckel in den Vorsatz geschlagen und somit im geschlossenen Zustand ohne den Einsatz klebender Elemente oder anderer Hilfsmittel durch den Eigendruck des Buchblocks fixiert.

Ohne nennenswerten Volumenzuwachs (geringer als 1 mm / Buch) erhält der Einband damit einen Schutz gegen mechanische Beanspruchung und UV-Licht. Der verwendete Archivkarton ist alterungsbeständig, säurefrei und abriebfest sowie nach DIN EN ISO 9706, DIN ISO 16245 Typ A und PAT zertifiziert.

Vier Formate für unterschiedliche Buchgrößen

Der individualisierbare Schutzumschlag wird in vier Grundformaten erhältlich sein:

  • Sedez bis Duodez (Buchrücken 10-15 cm)

  • Klein- bis Groß-Oktav (Buchrücken 15-25 cm)

  • Quart (Buchrücken 25-35 cm)

  • Groß-Quart bis Folio (Buchrücken 35-45 cm)

Schutzumschlag an Buchformat und Buchrücken anpassen

Händisches Ausmessen und manueller Zuschnitt von Rollenware sind mit dem vorperforierten und gerillten Umschlag nicht mehr erforderlich. Das rechtlich geschützte Design erlaubt eine individuelle Anpassung des Umschlags auf die jeweilige Buchrückenlänge und Dicke des Buches mit nur minimalem Aufwand durch den Anwender:

  1. Die Anpassung an die Höhe des Buches erfolgt durch Abtrennung horizontal vorperforierter Streifen (Abbildung 4).
     

  2. Durch eine Vielzahl vertikaler Rillungen kann der Archivkarton im Anschluss an die Breite und Dicke des Buches angepasst werden. Die jeweils passende Rillung wird intuitiv beim Einschlagen des Buches ermittelt.

Bestandserhaltung an der Universitätsbibliothek Leipzig

Je nach Zustand des jeweiligen Buches sind Einzelfallentscheidungen für den individuellen Schutzbedarf zu treffen, so dass in den Magazinregalen verschiedene Schutzvarianten (Schuber, Boxen oder Umschläge) nebeneinander Anwendung finden (Abbildung 5).

Die Verwendung von Schutzboxen ist vor allem dann zum Schutz des gesamten Buches zu empfehlen, wenn der Band einen Goldschnitt besitzt oder sich beispielsweise aufgrund von Metallschließen oder Buchbeschlägen, die auch benachbart stehende Bände beschädigen könnten, nur schwer einschlagen lässt. 

Nachteile von Schutzboxen sind jedoch der erhöhte Platzbedarf im Regal, sowie der zusätzliche Vermessungsaufwand.

Durch Schutzumschläge wird zwar der Buchschnitt nicht vor Staub- und Lichteinfall geschützt, sie bieten jedoch Vorteile durch einen geringeren Platzbedarf, eine stabile Trennschicht zwischen den Buchdeckeln sowie durch die sofort mögliche, schnelle und unkomplizierte Anwendung. 

Dank der vorperforierten Streifen und vertikalen Rillungen sind die gemeinsam entwickelten Schutzumschläge individuell und einfach an das jeweilige Buch anpassbar. 

Zudem kann spontan und auf kleiner Fläche gearbeitet werden, es werden nicht mehr wie bei der konventionellen Umschlagherstellung Schneidewerkzeuge und ein separater Arbeitsplatz zum Zuschnitt der Meterware benötigt.

 

Der Einsatz von Schutzumschlägen ist insbesondere in diesen Fällen empfehlenswert

  • Schutz und Stabilisierung beschädigter oder angegriffener Bucheinbände, insbesondere des Buchrückens

  • Schutz des Einbandes vor Ausbleichen durch Lichteinfluss, etwa bei Buntpapiereinbänden

  • Schutz des Einbandes bei Goldprägungen auf dem Buchdeckel

 (Abbildungen 6 und 7)

Entscheidungshilfe zur Auswahl einer geeigneten Schutzform

 

Alterungsbeständige 
Schutzbox

Individualisierbarer 
Schutzumschlag

Vorteile

  • Schutz des gesamten Bandes vor Licht und Staub

  • mechanischer Schutz vor Abrieb und Deformation

  • sofort einsetzbar

  • preisgünstig

  • keine Vermessung nötig

  • mechanischer Schutz vor Abrieb

Nachteile

  • erhöhter Platzbedarf

  • erfordert Buchvermessung

  • Preis

  • fehlender Schutz des Kopfschnitts vor Licht und Staub

Empfohlene Anwendungsfälle

  • Metallschließen

  • Buchbeschläge

  • Goldschnitt

  • lichtempfindlicher Farbschnitt

  • fragile Einbände

  • lose Teile

  • beschädigter Bucheinband

  • lichtempfindliche Einbände

  • Goldprägung auf Buchdeckel

  • Ledereinbände (roter Zerfall)

Dana Lämmerhirt studierte Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HTWK Leipzig, arbeitet seit 2018 an der Universitätsbibliothek Leipzig und ist dort Leiterin der AG Alte Drucke im Bereich Kompetenzzentrum Sonderbestände.

Dr. Almuth Märker ist klassische Philologin und promovierte Mittellateinerin. Seit 2004 arbeitet sie als wissenschaftliche Bibliothekarin an der Universitätsbibliothek Leipzig in den Arbeitsfeldern Fachreferate für Klassische Philologie und Theologie sowie konzeptionelle Bestandserhaltung. Außerdem ist sie die Kustodin der Papyrussammlung.

Michael Riedl arbeitet, nach langjähriger Tätigkeit als Verpackungsentwickler im Kartonagenwerk Leipzig Land GmbH, seit 2022 für die ZFB ZENTRUM FÜR BUCHERHALTUNG GmbH. Als Projektmanager in der Produktentwicklung entwickelt er individuelle Schutzverpackungen für Bibliotheken, Archive und Museen.

Katharina Schuhmann ist Ingenieurin für Druck- und Verpackungstechnik und seit 2015 für die ZFB GmbH tätig. In dieser Zeit war sie an zahlreichen Forschungsprojekten auf dem Gebiet der Bestandserhaltung beteiligt. Darüber hinaus hat sie die Material- und Produktentwicklung der Verpackungsproduktion der ZFB GmbH aktiv mitgestaltet. 

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