Jeder Flyer einer Bibliothek zeigt zwei Dinge: ihr Angebot und ihre Gestaltung. Für das Angebot sind wir ausgebildet. Für die Gestaltung meistens nicht. Bezahlt wird mit Zeit, die dann bei der Beratung fehlt.
Was ein Flyer in der Bibliothek wirklich kostet
Der Aufwand, den niemand sieht
Ein neuer Datenbankzugang, die Einführung für Erstsemester, die Hausmitteilung im Herbst. Das Material entsteht meist in Word oder PowerPoint, nebenbei und unter Zeitdruck. Man verschiebt Textfelder, erzeugt QR-Codes einzeln auf irgendeiner Website und hofft, dass sie sich scannen lassen.
In der Hausmitteilung stimmen die Seitenzahlen nicht mehr, sobald sich ein Text ändert. Am fertigen Flyer sieht niemand, wie lange das gedauert hat. Man sieht nur, ob er ordentlich aussieht.
Für mich war dieser Teil immer billig. Bevor ich in Bibliotheken kam, habe ich viele Jahre als Designer gearbeitet. Einen Flyer zu setzen, kostet mich wenig. Meine Kolleginnen und Kollegen kostet es oft Stunden.
Wie Libkit entstanden ist
KI-Assistenten können heute Programme schreiben, auch für Menschen, die keine Programmierer sind. Ich habe ausprobiert, ob sich mein Wissen als Designer und als Bibliothekar damit in einfache Werkzeuge übersetzen lässt. Ich beschreibe, was ein guter Bibliotheksflyer braucht, der Assistent schreibt den Code, und ich prüfe jedes Ergebnis. So ist Libkit entstanden: drei kostenlose Werkzeuge, die im Browser laufen, ohne Konto und ohne Installation.
Libkit Flyers macht aus einer Liste von Angeboten eine A4-Seite, jedes Angebot mit eigenem QR-Code, und prüft, ob alle Codes lesbar sind und alles auf eine Seite passt. So ist auch der Flyer auf dem Foto entstanden, der bei uns in der Bibliothek im Max-Planck-Haus Tübingen steht.
Libkit Slides kennt Folien, die man in PowerPoint mühsam bauen müsste, etwa eine Suchstrategie mit ODER und UND oder eine Quizfrage.
Aus den Folien einer Schulung wird mit einem Klick ein Flyer zum Mitnehmen. Libkit Folio setzt Hausmitteilungen und Bulletins in Spalten, mit Inhaltsverzeichnis und Seitenzahlen, die sich von selbst anpassen. Für die nächste Ausgabe bleiben Gestaltung und Rubriken stehen.
Was man eingibt, bleibt im eigenen Browser und wird nirgendwo hochgeladen. Das war mir wichtig, weil es in Bibliotheken sonst schnell um Datenschutz und IT-Freigaben geht.
Perfekt ist Libkit nicht. Es ersetzt keine/n Grafiker/-in, und manches fehlt noch, zum Beispiel andere Formate als A4. Die Anleitung gibt es bisher nur auf Englisch. Aber im Alltag hilft es schon jetzt, jedenfalls bei uns.
Wenn Sie Lust haben, probieren Sie es unter libkit.org aus. Und wenn Ihnen etwas fehlt oder etwas nicht funktioniert, schreiben Sie mir gern. Ich freue mich über jede Rückmeldung.
Alexander Ananyev leitet die Bibliothek des Max-Planck-Hauses Tübingen und ist Bibliothekar am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin in Tübingen. Bevor er in Bibliotheken kam, arbeitete er viele Jahre als Designer und war wissenschaftlicher Mitarbeiter in historischen Forschungsprojekten an der Universität Tübingen.

Diskussion