Der Fachinformationsdienst Romanistik

Vorgestellt: Der FID Romanistik versorgt Romanisitinnen und Romanisten aus ganz Deutschland mit Spezialliteratur aus einer pulsierenden Sprachfamilie.
Foto: Ravi Kant - pexels.com

 

Nach 1991 war Spanien im vergangenen Jahr bereits zum zweiten Mal Gastland der Frankfurter Buchmesse. Dieses Mal unter dem wohl klingenden Motto »Sprühende Kreativität«. Ein guter Grund, den Fachinformationsdienst (FID) Romanistik mit Fokus auf Spanien einmal genauer vorzustellen. Der FID wird gemeinsam betrieben von der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Bonn und der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Hamburg. Zu seinen Aufgaben gehört es, Romanistinnen und Romanisten in Deutschland mit Spezialliteratur und forschungsrelevanten Informationen zu versorgen und zu den Themen Forschungsdaten und Open Access zu unterstützen. Der Fokus dieses Textes liegt auf Spanien, seiner Literatur und welche Angebote der FID für die Forschung zur Iberischen Halbinsel bereithält, es wird aber auch der FID als Ganzes dargestellt.

Die Forschenden zur Literatur der Romanistik – und im Speziellen zur Iberischen Halbinsel – finden im FID Romanistik eine zentrale Anlaufstelle für ihre Recherchen und ihre wissenschaftliche Arbeit. Denn der FID erwirbt romanistisch relevante Primär- und Sekundärliteratur und berät die Wissenschaft zu forschungsnahen Dienstleistungen.

Das Erwerbungsprofil des FID Romanistik umfasst folgende Disziplinen: Allgemeine Romanistik, Frankoromanistik, Hispanistik und Lusitanistik der Iberischen Halbinsel, Italianistik, Katalanistik, Okzitanistik, Galicisch, Rätoromanisch und Sardisch. Die vom FID betreuten Fachgebiete sind die Sprach-, Literatur-, Kultur-, Medien- und Übersetzungswissenschaft und die Fachdidaktik. Vom FID werden folgende Medien erworben: Literarische Quellen (Epik, Lyrik, Dramatik, besondere Literaturgattungen wie Kriminalromane, Science-Fiction, Trivialliteratur, Comics, Graphic Novels, Kinder- und Jugendliteratur, Volksliteratur, Drehbücher, Libretti sowie Übersetzungen), audiovisuelle Medien, insbesondere Spielfilme, linguistische Korpora und Forschungsliteratur.

Die beiden den FID betreibenden Bibliotheken gehen hier arbeitsteilig vor: Während die Allgemeine Romanistik, die Frankoromanistik und die Italianistik von der ULB Bonn betreut werden (in Person meiner geschätzten Kollegin Doris Grüter), übernimmt die SUB Hamburg die Hispanistik, Lusitanistik und Katalanistik der Iberischen Halbinsel (verantwortet vom Autor dieses Textes als zuständigem Fachreferenten).

In diesem Rahmen werden zu den Fachgebieten auch überregionale Lizenzen für elektronische Medien des Spezialbedarfs – sogenannte FID-Lizenzen – erworben. Der FID bietet romanistisch Forschenden Zugriff auf eine Reihe von elektronischen Zeitschriften und E-Books. Für den Zugriff ist eine einmalige Registrierung im Portal des Kompetenzzentrums für Lizenzierung (KfL) nötig. Danach können die Publikationen auch über die FID-Website aufgerufen werden. Die analog erworbenen Medien stellt der FID auch im Rahmen der überregionalen Literaturversorgung zur Verfügung, das heißt die romanistischen Publikationen können von allen Informationssuchenden auch per Fernleihe über ihre jeweilige lokale Bibliothek bestellt werden.

Aus den Erläuterungen zur Erwerbung wird deutlich, dass sich der FID das ehrgeizige Ziel gesteckt hat, zentrales Recherchewerkzeug für die Romanistik zu sein. Alle im FID erworben Medien – und darüber hinaus die Angebote anderer Bibliotheken und Institutionen mit romanistisch relevantem Bestand – werden mit ihren jeweiligen Metadaten über einen kontinuierlich aktualisierten Suchindex gemeinsam abfragbar gemacht. Der stetig wachsende romanistische Suchraum wird unter der Adresse discovery.fid-romanistik.de abfragbar gemacht und mit einer detaillierten Liste aller integrierten Suchquellen beschrieben.



Neben den drei bis hierhin beschriebenen Feldern Erwerbung, Lizenzen und Recherche gibt es zwei zentrale Aufgabenbereiche, die jeweils eine der beiden FID-betreibenden Bibliotheken betreut: Die ULB Bonn bündelt alle Angebote zum Thema Forschungsdaten. Romanistinnen und Romanisten werden beim Umgang mit Forschungsdaten unterstützt. Neben einem fachspezifischen Informationsangebot (fid-romanistik.de/forschungsdaten) ist die Verzeichnung von romanistischen Forschungsdaten ein wichtiges Ziel. Sie sind beim FID sowohl über das Suchportal als auch separat über verschiedene Sucheinstiege (zum Beispiel mit Blick auf eine spezifische Sprache oder Art der Ressource) recherchierbar. Der zweite Teil der neuen forschungsnahen Dienstleistungen betrifft das Handlungsfeld Open Access. Dies wird von der SUB Hamburg betreut. Auch hier erfolgen die Information und Beratung der Wissenschaft. Ganz neu wurde ein romanistisches Fachrepositorium für Erst- und Zweitveröffentlichungen eingerichtet. Hier ist der FID gerade dabei, Open-Access-Publikationen von Verlagen mit romanistischem Programm in das Repositorium zu integrieren, um sich im Anschluss an die Fachwissenschaft zu wenden und das Repositorium als Veröffentlichungs- und Verzeichnungsort von Publikationen der Romanistik (Monografien und Zeitschriften) im freien Zugang anzubieten. In beiden Bereichen, dem Forschungsdatenmanagement und dem Open Access, arbeitet der FID eng mit der AG Digitale Romanistik des Deutschen Romanisten Verbandes zusammen.

Fachliche Vernetzung

Dem FID ist bei all den geschilderten Zielen die fachliche Vernetzung und die Wissenschaftskommunikation ein wichtiges Anliegen. Der FID arbeitet in enger Kooperation mit romanistik.de, einer in der Fachwissenschaft intensiv genutzten Plattform der deutschsprachigen Romanistik, die auch einen Vertreter in den wissenschaftlichen Beirat des FID entsendet. Dem Beirat gehören auch aus den romanistischen Fachverbänden entsandte Personen an. So ist der direkte Draht zur Fachwissenschaft sichergestellt. Dieses Gremium kommt zwei Mal pro Jahr zusammen und mit ihm bespricht der FID die jeweils aktuell umzusetzenden Desiderate aus der Wissenschaft. Gleichzeitig funktioniert der Beirat auch als Multiplikator und Sprachrohr des FID in die Fachwissenschaft hinein.

Für die wissenschaftliche Kommunikation, zu der natürlich auch die Teilnahme an Tagungen, Workshops und Veranstaltungen zählt, nimmt ein Themenbereich eine immer größere Bedeutung ein, der hier näher vorgestellt werden soll: die wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit in den Sozialen Medien. Der FID setzt auf eine intensive Social-Media-Kommunikation, um weitere Forschende, die weder in romanistischen Verbänden noch auf romanistik.de aktiv sind, zu erreichen. Das Romanistik-Blog (blog.fid-romanistik.de) und der Twitteraccount des FID Romanistik (twitter.com/FIDRomanistik) werden genutzt, um sich mit den Forschenden zu vernetzen, Bedarfe der jeweiligen Communities abzufragen und über neue Angebote des FID zeitnah und ausführlich zu informieren. Auch können die Services des FID auf diesem Wege einer erweiterten Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Blog ist im Portal des FID sehr präsent, die beiden jeweils neuesten Artikel werden auf der Startseite prominent verlinkt. Über die Kategorien kann die interessierte Leserschaft die Anzeige der Artikel auf das jeweilige Interesse eingrenzen. Wer dort momentan die Kategorie Spanien auswählt, erhält sofort einen Überblick zu den Artikeln zu Spanien. Seit einem Jahr berichten wir dort auch zum Gastland Spanien der Buchmesse, unter anderem durch die Vorstellung eines hörenswerten Podcasts des Goethe-Institutes Spanien »En tu feria me colé« (zu deutsch etwa: »Ich habe mich auf deine Party / Messe geschlichen«) – ein spanisch-deutscher Podcast über die Frankfurter Buchmesse 2022.

Der FID gibt im Romanistik-Blog auch Einblick in die spanische Bibliothekswelt. Wer etwa in der Suche den Begriff »BiblioTeConecta« eingibt, lernt den spanischen bibliothekarischen YouTube-Kanal BiblioTeConecta kennen, bei dem der Autor dieses Textes Anfang 2022 die Ehre hatte, mit den spanischen Kolleginnen und Kollegen über das deutsche Bibliothekssystem zu sprechen und von der Arbeit der Fachinformationsdienste zu berichten (auf Spanisch, versteht sich). Ein ähnliches Video (auf Deutsch) haben wir auf Einladung des Deutschen Hispanistenverbandes für deren YouTube-Kanal produziert, das auf der FID-Website in der Sektion »Über uns – Infomaterialien zum FID« eingebunden ist, wo es auch weitere Informationsmaterialien wie eine Präsentation, Flyer und Poster zum Download und zur Weiternutzung gibt (fid-romanistik.de/ueber-uns/infomaterialien-zum-fid).
 

Vorstellung von spanischen Filmen und Graphic Novels

Wobei das Blog auch zum Einsatz kommt, gerade weil es sich medial gut dazu anbietet, ist die Vorstellung von spanischen Filmen und Graphic Novels aus dem Bestand des FID, die wir auch für die hispanistische Wissenschaft erwerben. Hierzu zwei Beispiele: Im Artikel »Spanische Filme auf DVD – Ausleihbar über das FID-Portal« haben wir im März 2021 den Bestand von über 1.000 spanischen Filmen auf DVD vorgestellt, die über Fernleihe bundesweit ausleihbar sind. In dem Ende Juni 2022 veröffentlichten Artikel »Daniel Tornero – Illustrator und Autor der Serie Negra im Kurzinterview« präsentieren wir einen vom FID produzierten Interviewfilm mit dem Comic-Autor Daniel Tornero, dessen Graphic-Novel-Kollektion »Serie Negra« sich auch im Bestand des FID befindet.

Im Kontext des Gastlandes Spanien soll eine Kooperation des FID nicht unerwähnt bleiben. Seit Jahren arbeiten wir eng mit den Cervantes Instituten in Deutschland zusammen. Sie sind als Kulturinstitutionen Spaniens das spanische Pendant zu den Goethe-Instituten. In Deutschland gibt es fünf Cervantes-Institute: Berlin, Bremen, Frankfurt, Hamburg, und München. Das Cervantes-Institut Hamburg ist bereits seit 2009 Kooperationspartner im Romanistik-Blog und veröffentlicht in monatlichen Artikeln sein Kultur- und Veranstaltungsprogramm. Momentan ist der FID damit befasst, die Bibliothekskataloge der Cervantes-Institute in Deutschland in das Suchportal des FIDs zu integrieren, um die Medien-Bestände der spanischen Kulturvertretungen für die romanistische Forschung und für die interessierte Öffentlichkeit sichtbarer zu machen.

Abschließend noch ein Literaturtipp vom Spanisch-Fachreferenten der SUB Hamburg (und Autor dieser Zeilen) zu einem der Themen, die gegenwärtig in der spanischen Literatur behandelt werden, der Stadt-Land-Flucht: »Los Asquerosos« von Santiago Lorenzo, in Spanien ein Publikumserfolg und ganz aktuell in deutscher Übersetzung von Daniel Müller und Karolin Viseneber unter dem Titel »Wir alle sind Widerlinge« im Heyne-Verlag erschienen. Eine Art moderne Robinson-Crusoe-Geschichte über einen jungen Mann, der vor der Polizei aus Madrid in ein verlassenes Dorf flüchtet und dort Gefallen findet an einem Leben als Eremit. Autor Santiago Lorenzo wird – neben weiteren zahlreichen spanischen Autorinnen und Autoren – seinen Roman auf der Buchmesse vorstellen.

Für alle an spanischer Literatur Interessierten, wird ein Besuch des Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms auf der Buchmesse zum Gastland Spanien sicher lohnenswert sein. Wer sich danach vertiefend über einzelne Autor/-innen informieren möchte, sei herzlich eingeladen, das Portal und die vielfältigen Informationsangebote des FID Romanistik zu konsultieren

Markus Trapp, geboren 1965 in Saarbrücken, ist Fachreferent für Spanisch/Portugiesisch und Sport an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, wo er das Projekt FID Romanistik leitet und für die Web-Öffentlichkeitsarbeit und die Social-Media-Kommunikation der Bibliothek zuständig ist. Studium der Hispanistik, Germanistik und Komparatistik an der Universität des Saarlandes, im Anschluss Dozent und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Hispanistik der Universität des Saarlandes. Seit 2005 an der SUB Hamburg, seit 2010 Stabsstelle Social Media und redaktionelle Verantwortung für mehrere Blogs und Wikis der SUB Hamburg. Seit 2014 Absolvent des berufsbegleitenden postgradualen Studiums der Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt Universität Berlin. –  Kontakt: markus.trapp@sub.uni-hamburg.de

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