UnterSCHÄTZ MICH nicht!

Eine phantasievolle Imagekampagne macht auf das vielfältige Angebot der Brandenburger Bibliotheken aufmerksam.
Großflächige Kampagnen-Werbung für die Stadtbibliothek Schwedt. Foto: Dany Christin Echtmann

Die Bibliotheken in Brandenburg machen seit einem Jahr mit einer neuen, farbenfrohen und ungewöhnlichen Kampagne auf ihr breites Portfolio aufmerksam. Mit dem Slogan »unterSCHÄTZ MICH nicht« wollen die Bibliotheken zeigen, dass sie viel mehr zu bieten haben, als der Durchschnittsbürger vermutet. Bibliotheken haben sich in ihrer Geschichte mehrfach als Aufenthalts-, Lern- und Veranstaltungsorte qualifiziert.

Mit Streaming-Diensten, Gaming-Angeboten, Escape Rooms, Workshops zum Programmieren lernen oder dem Einsatz von 3D-Druckern gehören sie zu den innovativen, transparenten, sich dem Wandel anpassenden und modernen Einrichtungen im Land.

Herzstück der Kampagne ist eine völlig neue Webseite, mit der man das Angebot der Brandenburger Bibliotheken einsehen und sich auch in seiner Bibliothek gleich anmelden kann. Die Seite bietet einen großflächigen Überblick auf das breite Spektrum an Möglichkeiten, das in den Bibliotheken angeboten wird.

Bereits zum Auftakt der Kampagne, die mit einer Pressekonferenz in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam im März 2022 startete, wurde deutlich, wie notwendig diese Initiative ist. Die Teilnahme und Medienresonanz waren mehr als überschaubar. »Brauchen Sie tatsächlich Kampagnenbotschafter, sind Bibliotheken nicht schon bekannt genug?« fragte ein Medienvertreter die Vermittler der Kampagne. Und nein, sie sind noch nicht bekannt genug. Sie werden in ihrer Angebotsfülle immer noch nicht in Bildungsaufgaben integriert, gelten immer noch nicht als relevant in Stadt- und Gemeindezentren, werden oft noch als altbacken betrachtet und haben sich immer noch als nicht systemrelevant zu akzeptieren.

Die Bekanntheit und Selbstverständlichkeit von Bibliotheken begrenzt sich nach Einschätzung des Brandenburgischen Landesverbandes im Deutschen Bibliotheksverband (dbv) immer noch auf die Vorstellung, dass Bibliotheken Räume mit Regalen voller Bücher sind. Das tatsächliche Portfolio von Bibliotheken ist jedoch weitaus moderner, digitaler und vielfältiger, wie jeder Bibliotheksbeschäftigte weiß. Und genau deshalb muss es eine ungewöhnliche und wirksame Kampagne geben.

Mit frechen Sprüchen Neugier wecken

»Ich kann mehr als nett zu flixen«, »Mich gab es schon, als deine Oma Gummihopse spielte«, »Ich häkel dir gleich eine« - diese frechen Sprüche sollen neugierig machen und die Aufmerksamkeit auf das lenken, was Bibliotheken tatsächlich zu bieten haben: Makerspaces, Roboter programmieren, 3D-Druck, Streamingdienste für Filme und Musik, Gaming Areas, Workshops, nicht selten auch Repair Cafes und der Verleih von Alltagsgegenständen wie Nähmachine, Polaroid-Kamera oder Akkuschrauber in der Bibliothek der Dinge.

Die Kampagne wurde mit und für die Brandenburger Bibliotheken entwickelt und trumpft neben dem modernen und farbenfrohen Design auffällig mit diesen lockeren, fröhlichen Sprüchen aus unterschiedlichen Bereichen auf.

Es werden viele verschiedene Motive und Materialien zur Verfügung gestellt, die die Bibliotheken über die Verbandsseite downloaden und im Rahmen der Kampagne nutzen können. Druckvorlagen für Plakate, Roll Ups, Flyer, Anschreiben sowie Materialien für die Social Media-Nutzung stehen ebenfalls zur Verfügung.

Landesweit beteiligen sich zahlreiche Bibliotheken und machen mit Roll Ups und Plakaten auf die Kampagne aufmerksam. Die aktive Unterstützung inner- und außerhalb aller Bibliotheken ist immens wichtig, denn die Botschaften der Kampagne sollen im ganzen Land bekannt gemacht werden.

Und genau hier liegt die Herausforderung und gleichzeitig große Chance. Bei dieser Mit-Mach-Kampagne sind alle Bibliotheken dazu aufgerufen, die Motive und Materialien der Kampagne zu nutzen und gemeinsam diese Botschaften im Land zu verbreiten. Je mehr sich daran beteiligen, umso größer ist der Effekt und Erfolg für die Bibliotheken.

In einigen Städten haben sich bereits Kooperationen und Partnerschaften mit lokalen Einrichtungen als guter Multiplikator erwiesen. Es finden viele Aktionen und Veranstaltungen in den einzelnen Bibliotheken statt und die »Stinknormalen Superhelden« unterstützen als Markenbotschafter die Kampagne zusätzlich mit eigenen Aktivitäten.

Mit auffälligen Kostümen setzen sich die »Stinknormalen Superhelden« rund um Kateschen Bernd und Red Violet aktiv, auffällig und sympathisch für Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. Sie organisieren Lesungen und Bibliotheksbesuche, die sie unterhaltsam und ungewöhnlich verfilmen. Unsere »Stinknormalen Superhelden« konnten im Rahmen der Kampagne für die Brandenburger Bibliotheken, sehr zur Freude aller Beteiligten, viele namhafte Autorinnen und Autoren gewinnen, die erzählt haben, was sie ganz persönlich mit Bibliotheken verbinden. Mit dabei sind bisher zum Beispiel Sebastian Fitzek, Mark Benecke, Andreas Winkelmann, Kirsten Boie, Takis Würger, Jasmin Schreiber, Charlotte Habersack, Peter Prange – und es werden weitere folgen.

Kooperationen, Flyer-Aktionen und Social Media-Kanäle

Beim »Bücherfrühling«, einer ebenfalls für den öffentlichkeitswirksamen Auftakt geplanten Veranstaltungsreihe, konnten in Kooperation mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels – Landesverband Berlin-Brandenburg und dem Brandenburgischen Literaturrat in Brandenburg sieben Autorenlesungen in Bibliotheken umgesetzt werden, die landesweit gemeinsam mit dem örtlichen Buchhandel in ländlichen Regionen durchgeführt wurden.

Mit der Unterstützung der Bäckereikette Thonke wurden pünktlich zum Schulstart Stundenpläne erstellt, die in 58 Filialen in 25 Städten und Dörfern des Landes auch die Kleinsten neugierig machen sollen.

Die Kampagne wird auch 2023 fortgeführt. Zum Start des neuen Jahres machte eine Flyer-Aktion in den ODEG-Zügen der Regionalexpress-Linie R1, die einmal quer durch das Land Brandenburg fährt, auf Bibliotheken im Land aufmerksam.

Im Fokus für das Jahr 2023 steht jetzt, die Social Media-Kanäle weiter auszubauen, um hier noch mehr Aufmerksamkeit und Follower zu akquirieren. Und natürlich in einem nächsten Schritt potenzielle Besucherinnen und Besucher auf die Webseite neugierig zu machen und sie für eine digitale Anmeldung in der jeweils nächstgelegenen Bibliothek zu begeistern.

Neben Facebook und Instagram sind die Brandenburger Bibliotheken nun auch auf TikTok (bb_bibliotheken) zu finden. Die Nutzung der Social Media-Kanäle gibt Auskunft über die Reichweite und die Beitragsinteraktionen. Das lässt sich für die Umsetzung aller weiteren Ideen und Wünsche sehr gut verwerten.

Alles was die Gesellschaft in den vergangenen Jahren aus dem Gleichklang, aus der Gewissheit und Verlässlichkeit gebracht hat, haben die Bibliotheken, und nicht nur sie, zu spüren bekommen. Längst sind die Besucherzahlen noch nicht wieder so wie vor drei Jahren.

Es gilt also weiterhin aufzuholen, einzuholen und zu überholen… Der Landesverband Brandenburg im Deutschen Bibliotheksverband unterstützt seine Mitglieder auf diesem Weg sehr gern.

 

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