Bibliothek plus X

Studieren und Forschen am IBI – Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin mit breitem Fokus.
Abbildung 2. Forschungsschwerpunkt Information Experience: Gemeinsamer Besuch des UXCamp Europe im Rahmen des Moduls User Experience Design. Foto: Elke Greifeneder

In zwei Jahren feiert das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) sein hundertjähriges Bestehen. Bibliotheken sind am IBI eine Konstante – je nach Studiengang und Forschungsschwerpunkt in unterschiedlichen Rollen und Kontexten, aber oft, ohne dass der Begriff »Bibliothek« genannt wird.

Dieser Artikel stellt die Forschungsschwerpunkte des IBI vor und danach die vier Studiengänge, in die man sich derzeit am IBI immatrikulieren kann. Derzeit hat das IBI sechs Lehrstühle, wovon zwei der Wissenschaftsforschung zugeordnet sind. Das Robert-K-Merton-Zentrum für Wissenschaftsforschung (RMZ) gehört seit 2025 zum IBI. Die enge Forschungskooperation und Zusammenarbeit in der Lehre zwischen Bibliotheks- und Informationswissenschaft und Wissenschaftsforschung ist deutschlandweit einmalig.

Forschung und Lehre am IBI – unser Profil

Wir erforschen am IBI Fragen rund um Wissen und Information: Wie lässt sich Information entdecken, kuratieren, zugänglich machen und verbreiten? Wie wird Wissen übertragbar über Menschen, Räume und Zeiten hinweg? Welche Informationsinfrastrukturen (zum Beispiel Bibliotheken) braucht man dafür – seien sie technischer oder organisatorischer Art? 

Um diese Fragen zu beantworten, nutzen wir unterschiedliche Methoden. Das können Experimente sein, Interviews, Beobachtungen und Befragungen, es können Modelle entstehen oder es kann mit Texten gearbeitet werden. Wir wollen verstehen, wie Menschen, Informationen und Infrastrukturen miteinander interagieren und damit Gesellschaften verstehen und sie (mit-)gestalten. Dabei konzentrieren wir uns auf vier Schwerpunktbereiche: Infrastrukturen, Information Experience, Openness und Literacy.

Infrastrukturen: Kulturerbe, Forschung und Bildung:

Ein zentrales Forschungsthema des IBI ist der Umgang mit Kulturgütern, Forschungsdaten und Publikationen. Wie können sie organisiert, erhalten, zugänglich gemacht und weiterverwendet werden? Wir entwickeln Methoden und Technologien für die Digital Humanities (vgl. Abbildung 1) sowie den digitalen Wissenstransfer, und wir forschen zu Speicher- und Produktionsfunktionen von Institutionen und Infrastrukturen. Dieser Schwerpunkt hat große Nähe zu den Handlungsfeldern von Bibliotheken und vor allem zu Bibliotheken als Infrastruktur: für die Wissenschaft, aber auch für Zusammenhalt, Bildung und Kultur in verschiedenen sozialen Räumen.

Information Experience

Die Erforschung von Informationsverhalten wird oft auf die Suche nach Informationen reduziert. Für uns am IBI ist der alltägliche Umgang mit Information aber genauso interessant: das persönliche Informationsmanagement zum Beispiel von Fotos oder Musik, oder die Herausforderungen, die sich für Menschen zum Beispiel durch Fake News oder Information Overload ergeben. Uns geht es um die gesamte »Information Experience« – vom Aufkommen einer Frage bis zur Zufriedenheit mit einem Informationssystem wie zum Beispiel einem Fachinformationsdienst oder einem Discovery System. Dabei untersuchen wir die verschiedensten Sozial- und Lebensräume: Neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Schülerinnen und Schülern beispielsweise auch Touristinnen und Touristen, Book-Tok-Nutzer/-innen, junge Erwachsene mit einer Krebserkrankung – oder Bibliotheksmitarbeiter/-innen (vergleiche Abbildung 2 oben im Beitrag).

Openness – Offene Wissenschaft, offene Daten, offener Zugang

Das IBI bekennt sich zur Offenheit in Forschung und Lehre – sichtbar in offenen Daten, freiem Zugang und transparentem Code. Offenheit ist für uns nicht nur Leitmotiv, sondern auch Forschungsthema. Unsere Forschung richtet sich auf digitale Wissenschaftskommunikation sowie Standards und Richtlinien für offene Wissenschaft und Forschungsbewertung (Bibliometrie, Scientometrie), auf die Bereitstellung und Langzeitarchivierung von Forschungsdaten sowie die Webarchivierung. Am Robert K. Merton Zentrum (RMZ) wird insbesondere analysiert, wie diese Prozesse die Steuerung von Forschung beeinflussen (vergleiche Abbildung 3).

Daten- und Informationskompetenz:

Daten- und Informationskompetenz sind eine Grundvoraussetzung, um Informationen und Technologien effektiv und verantwortungsvoll zu nutzen. Das IBI untersucht die Rolle von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Orte der Demokratie, der Meinungsfreiheit und der gleichberechtigten, inklusiven Teilhabe an einer interkulturellen Gesellschaft. Virtuelle und analoge Lernumgebungen sowie neue Technologien und Methoden der Informationsdidaktik werden in verschiedenen Settings untersucht und evaluiert (vergleiche Abbildung 4).

Den kompletten Artikel mit der Vorstellung der bibliothekarischen Studiengänge können Sie in der BuB-Ausgabe 04-05/2026 weiterlesen: als Printausgabe oder in der App.

DOI: 10.24403/jp.1550305

Prof. Dr. Elke Greifeneder leitet den Forschungsschwerpunkt Information Behaviour am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft seit 2014 und ist aktuell auch stellvertretende Direktorin des IBI. Sie lehrt in allen Studiengängen des Instituts und ist als Mitglied der Kommission für Lehre und Studium für die Weiterentwicklung der Studiengänge verantwortlich. Davor war sie Assistant Professor an der Universität Kopenhagen. 

Dr. Ulla Wimmer koordiniert im Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft den Weiterbildenden Masterstudiengang »Bibliotheks- und Informationswissenschaft« im Fernstudium. Sie studierte Bibliothekswissenschaft, Kulturwissenschaft und BWL und arbeitet seit 1990 für und in Bibliotheken. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen bei (berufs-)soziologischen und managementbezogenen Themen.

Dr. Stephan Gauch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Robert K. Merton Zentrum für Wissenschaftsforschung der Humboldt-Universität zu Berlin und der Studiengangsleiter für den Masterstudiengang Wissenschaftsforschung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf pragmatischer Soziologie der Kritik und Bewertung sowie Soziologie der Quantifizierung. Im Besonderen setzt er sich mit »reflexiver Bibliometrie« auseinander, also der Nahtstelle aus Professionsarbeit in der Bibliometrie und Praktiken der metrifizierten Bewertung von Wissenschaft. 

Interessantes Thema?

Teilen Sie diesen Artikel mit Kolleginnen und Kollegen:

Kommentare

Nach oben