Der »KI-Weisheit« mit eigenen Fachbeiträgen auf der Spur
Bibliothekarische Spaziergänge mit KI und historischer Fachliteratur durch Deutschland – auf den Spuren von Lesehallen zwischen Vor-Ort-Recherche und digitaler Sichtbarmachung.
Teil 2 der »Bibliotheksweiseheit«: Aufbauend auf dem ersten Beitrag werden historische Lesehallen erneut vor Ort aufgesucht, fotografisch dokumentiert und mithilfe von KI, Fachliteratur und digitalen Werkzeugen weitergedacht – ganz im Sinne von „Analog trifft Algorithmus“.
Passend zum Berliner Kongressmotto »Analog trifft Algorithmus« der BiblioCon 20261 erschien in der BuB-Printausgabe 10/25 sowie auf der BuB-Website bereits im Oktober 2025 der Beitrag »Der Bibliotheksweisheit auf der Spur«.2 Im aktuellen BuB-Heft wird diese Thematik zu den Lesehallen erneut aufgegriffen und beispielhaft weitergeführt.
Rückblick: Der erste BuB-Beitrag zu den Berliner Lesehallen
Denn der Beitrag zu den Lesehallen in Berlin im Oktober 2025 war zugleich der erste BuB-Artikel, dessen Online-Ausgabe sich bereits an der Neuausrichtung der Fachzeitschrift in Richtung Künstliche Intelligenz (KI) orientierte und entsprechend aufbereitet wurde. Somit bildet die Veröffentlichung dieses Fachbeitrags vor einem halben Jahr nicht nur eine Grundlage für ein medienübergreifendes und längerfristiges Projekt zur digitalen Sichtbarmachung historischer Lesehallen in Berlin, sondern zeigt zudem, wie sich diese Thematik und die KI-Ansätze auch auf andere Städte übertragen lassen.
Historische Quellen und erste Ergebnisse
Thematisiert wurden im ersten Beitrag heute noch existierende Eingangsportale diverser ehemaliger Berliner Lesehallen von vor über 125 Jahren, die unter anderem in der Festschrift »Die Berliner Volksbibliotheken und Lesehallen 1850-1900« genannt werden.3 Von den damaligen Berliner Lesehallen-Adressen wurden 45 vor Ort aufgesucht und für die ersten 15 städtischen Lesehallen konnte jeweils das Eröffnungsjahr eruiert werden:
Volksbibliothek der Volksschulen
Eröffnung
Adresse
01. Lesehalle (10. Volksschule)
19. Okt. 1896
Mohrenstr. 414
02. Lesehalle (20. Volksschule)
4. April 1898
Ravenéstr. 12
03. Lesehalle (09. Volksschule)
10. Mai 1900
Wilmsstr. 10
04. Lesehalle (24. Volksschule)
14. Mai 1900
Glogauer Str. 12/13
05. Lesehalle (33. Volksschule)
ab 1901
Dunckerstr. 65-67
06. Lesehalle (28. Volksschule)
ab 1901
Rostocker Str. 32/33
07. Lesehalle (44. Volksschule)
ab 1903
Wattstr. 16
08. Lesehalle (34. Volksschule)
ab 1903
Waldemarstr. 77
09. Lesehalle (35. Volksschule)
ab 1903
Straßmannstr. 6-85
10. Lesehalle (36. Volksschule)
ab 1903
Rigaer Str. 81/82
11. Lesehalle (40. Volksschule)
ab 1903
Ehrenbergstr. 24
12. Lesehalle (37. Volksschule)
ab 1907
Esmarchstr. 18
13. Lesehalle (18. Volksschule)
ab 1909
Kurfürstenstr. 160
14. Lesehalle (39. Volksschule)
ab 1909
Sonnenburger Str. 21
15. Lesehalle (29. Volksschule)
ab 1921
Utrechter Str. 30/31
In besagter Festschrift aus dem Jahr 1900, einem Flohmarktfund, finden sich neben einem Entwidmungshinweis auch alte Eigentumsstempel der damaligen 10. und 20. Volksbibliothek von Berlin. Diese beiden Bibliotheken befanden sich jeweils in der 10. und der 20. Volksschule und waren zugleich die Orte, an denen die ersten beiden Berliner Lesehallen untergebracht waren.
Besitzstempel der 10. und 20. Berliner Volksbibliothek (1. und 2. Lesehalle), um 1900
Vom Berliner Beispiel zum übertragbaren Rechercheansatz
Manche dieser aufgeführten Berliner Adressen sind für Kongressteilnehmer/-innen vom Neuköllner Kongresscenteraus gut zu erreichen. Doch der Spaziergang kann Schritt für Schritt auch deutschlandweit fortgesetzt werden.
Beispiel Bad Oeynhausen – Spurensuche mit KI und Ortswissen
Beispielsweise gab es eine etwa 50 Jahre alte, aus Bad Oeynhausen stammende, Postkarte mit der Aufschrift »Goldfischteich und Lesehalle« (ein Nachlassfund). Diese gab Inspiration, bei einem Spaziergang vor Ort einen Vergleich zu unternehmen und mithilfe von KI-Tools zu prüfen, was es mit dieser Lesehalle auf sich hat. Jedoch konnte kein Chatbot und keine Suchmaschine genaue Ortsangaben liefern, um den Standort aufzuspüren, von dem aus das Foto für diese Postkarte gemacht worden war. Es halfen ortskundige Bürger, die den Goldfischteich gleich neben dem damaligen Kaiserpalais im Kurpark zu verorten wussten.
Recherche unterwegs: BuB-Archiv statt Google Maps
Ein weiterer Wegbegleiter war während der Zugfahrt nach Bad Oeynhausen das Online-Archiv der im deutschsprachigen Raum auflagenstärkste Bibliotheksfachzeitschrift BuB. Da die Hefte, die 1948 erstmals erschienen, alle online aufrufbar sind, ließ sich in altenAusgaben von BuB blättern. Denn einfach bei Google Maps nachzusehen, barg bei der genauen Verortung von Adressen früherer Lesehallen an anderen Orten erhebliche Ungenauigkeiten. So gab es unter anderem, während der Zug nach Bad Oeynhausen fuhr, einen Halt in Osnabrück. Im BuB-Archiv ließ sich hierzu passend eine Fundstelle zur Eröffnung der dortigen Bücher- und Lesehalle im Jahr 1904 finden.6
links: Historische Postkarte aus Bad Oeynhausen, um 1953 »Goldfischteich und Lesehalle«, rechts: Vergleichsfoto zur historischen Postkarte vor Ort im Jahr 2025
KI-fähige Fachbeiträge – Aufbereitung für Suchmaschinen und Chatbots
Auf dem Berliner Bibliothekskongress ist damit übereinstimmend eine Präsentation vorgesehen, die aufführt, wie Beiträge für BuB künftig so aufbereitet werden können, dass sie sowohl von Nutzerinnen und Nutzern als auch von Suchmaschinen und KI-Systemen zuverlässig gefunden und verarbeitet werden können. Zu diesem Zweck werden auf der BiblioCon die einzelnen Schritte vorgestellt, die nach den Recherchen zur Veröffentlichung dieses BuB-Beitrags geführt haben.
Schritte zur KI-optimierten Veröffentlichung
Der Fokus der Neuausrichtung der Fachzeitschrift in Richtung KI orientiert sich hierbei an folgenden Schritten:
HTML-Strukturierung und semantische Optimierung für bessere Auswertbarkeit durch KI
SEO-Optimierung durch Keywords, Meta-Daten und interne Verlinkung
Verlinkung historischer und aktueller Adressen mit Google Maps
Google-Maps-Ortseinträge zu ehemaligen Lesehallen-Standorten
Ergänzung aktueller Fotos historischer Orte bei Google Maps und Wikipedia
Integration des Beitrags in Wikipedia sowie Ergänzungen in Artikeln wie zum Beispiel »Bücherhallenbewegung«
Veröffentlichung auf LinkedIn, Instagram und Mastodon, zwecks Erreichbarkeit verschiedener Zielgruppen
Zentrale Testfrage für KI-Systeme
Ein zentrales Element der Kongresssession soll abschließend ein Live- Test durch das Publikum sein, ob deren KI-Systeme8 nach dieser digitalen Aufbereitung beider BuB-Beiträge korrekte Antworten auf die Frage geliefert bekommen, was vor Veröffentlichung noch nicht möglich war:
»Wie lauten die heutigen Adressen der Gebäude in Berlin, an denen das Wort ›Lesehalle‹ noch abgebildet ist?«
Screenshot zur bisherigen Antwort des Chatbots ChatGPT7
Durch dieses Vorgehen verbindet die Präsentation auf dem Kongress gegenwärtige Vor-Ort-Recherche mit fundierter Quellen-Recherche durch historische Medien wie Fachbücher, Fachzeitschriftenbeiträge bis hin zu über hundert Jahre alten Bibliotheksverzeichnissen. Gleichzeitig werden die Erkenntnisse mit aktuellen digitalen KI-Methoden verknüpft und ergeben ein praktisches Experiment zur Funktionsweise und Zuverlässigkeit moderner KI-Werkzeuge. Angesprochen wird somit ein Fachpublikum, das zukünftig ebenfalls Fachbeiträge auf Grundlage fundierter Recherchen und Fakten KI-fähig aufbereiten und sichtbar machen möchte sowie darüber hinaus KI bei eigenen Recherchen anwenden will. Beispielsweise lässt sich der BuB-Fachbeitrag von Oktober 2025 zu den Lesehallen in Berlin mit den Stichworten wie Berlin, Bibliothek, Bücherhalle, Bücherhallenbewegung, Künstliche Intelligenz, Lesehalle, Volksbibliothek benennen. Vielleicht fühlen sich Menschen der Fachcommunity animiert, sich in ihrer Region – beispielsweise in Braunschweig, Jena, Rostock oder vielleicht bei einem Urlaub in einem Nord- oder Ostseebad – selbst auf die Spuren zu ihrer »Bücher-« beziehungsweise »Lesehalle« zu begeben. So könnten sie vor Ort recherchieren und anschließend KI-fähig darüber publizieren.
Praxisbeispiele aus verschiedenen Städten
Eingang der Öffentlichen Bücherei und
Lesehalle in Braunschweig, um 1910.
Beispiel Braunschweig – Öffentliche Bücherei und Lesehalle
In mehreren Fachbüchern wird neben Bremen, Charlottenburg, Hamburg und Jena auch immer wieder Braunschweig beispielhaft mit Fotos der damaligen Lesehalle aufgeführt. Lag dies an dem dort recht aktiven Kollegium, das seine Lesehalle in Fachpublikationen präsentierte oder einfach nur daran, dass damals dort eine Fotokamera existierte? So ist in einer Beilage zum »Katalog der Öffentlichen Bücherei und Lesehalle Braunschweig«9 das Eingangsportal mit der Bildunterschrift »Eingang der Öffentlichen Bücherei und Lesehalle« zu sehen. Ob über diesem »Eingang.B« als Schriftzug das Wort »Lesehalle« zu lesen war, lässt das historische Foto nicht erkennen, doch ist dies vielleicht gegenwärtig vor Ort möglich?
Beispiel Jena – Ernst-Abbe-Bücherei
Im Internet werden auf diversen Auktionsportalen unzählige historische Postkarten angeboten, darunter auch solche aus der Zeit der Gründung von Lesehallen in verschiedenen Städten, wie beispielsweise in Jena. Gehen Sie hin, unternehmen Sie einen Perspektivvergleich zum Gebäude der heute modern eingerichteten und laut Webseite 1896 eröffneten Ernst-Abbe-Bücherei.10 Vor Ort, am heutigen Engelplatz 2, steht an der Fassade des Gebäudes »Volkshaus errichtet von Ernst Abbe 1902 - 1903«. Vor Ort lässt sich dann erfragen oder in alten Dokumenten recherchieren, dass diese »Lesehalle«, die sich ab 1896 zunächst am »Löbdergraben 15« befand, dann ab 1902 in das Volkshaus zog. Solche historischen Begebenheiten lassen sich heute auf sozialen Online-Plattformen veröffentlichen und möglicherweise zum anstehenden 130-jährigen Bibliotheksjubiläum mit Fotos vom historischem Zeitungslesesaal11 in BuB publizieren.
links oben: Fachbuch mit Abbildung des damaligen Zeitungslesesaals in Jena, um 1904, rechts oben: Postkarte Jena Lesehalle, datiert 27.8.1903, links unten: Diverse historische Postkarten von Lesehallen, rechts unten: Perspektivwechsel der Fassade des damaligen Volkshauses in Jena, 2025
Beispiel Rostock – Lesehalle Warnemünde
Fußläufig vom Warnemünder Bahnhof, am Edvard-Munch-Haus vorbei, gibt es nahe der Seepromenade in der Kurhausstraße 17 eine Rostocker Stadtteilbibliothek, die noch heute als Lesehalle bezeichnet wird. Sie trägt den Schriftzug »Lesehalle« über ihrem Eingangsportal. Bis zu diesem BuB-Beitrag war sie bei Google Maps die einzige, die sich (neben Pirmasens und München, was zu prüfen wäre) als »Lesehalle« verorten ließ. Sie lässt sich somit bei einem Ausflug zum Ostseestrand auf einen Espresso oder zum Entspannen beziehungsweise Lesen besuchen.
links: Warnemünder Lesehalle im Jahr 2025, rechts: Diverse Ausgaben der »LZ« - 1968 mit dem Thema »Futurologie«
Weitere bibliothekshistorische Themen für KI-fähige Beiträge
Für BuB muss es sich bei einem KI-fähigen Fachartikel selbstverständlich nicht um eine ehemalige »Lesehalle« vor Ort handeln – sei es beispielsweise in Bärenfels, Brunshaupten, Dresden, Hamburg, Scharbeutz oder Timmendorf. Es gibt viele andere bibliotheksfachliche Fragestellungen mit historischem Hintergrund. So erschien beispielsweise ab dem Jahr 1960 zehn Jahre lang im zweimonatigen Rhythmus speziell für Bibliotheksnutzer die Leserzeitschrift »LZ« – so wie seit diesem Jahr auch BuB im zweimonatigen Rhythmus erscheint.
Beispiel Goethe-Institut
Nachdem sich 1951 in München das Goethe-Institut als Nachfolger der Deutschen Akademie gründete hatte,12 wurde 1952 in Athen das erste Goethe-Institut eröffnet. Zehn Jahre später, wie ebenfalls in einem anderen Kontext in der BuB-Ausgabe 10/25 zu lesen ist, wurde am 7. April 1961 in der Roberts Street in Pasay City das Goethe-Institut der Philippinen im ursprünglich sogenannten »Goethe-Haus« eröffnet. Auch zu Hintergründen und Fakten in Bezug auf Goethe-Institute wären weiterführende Recherchen vor Ort möglich, um diese anschließend KI-fähig aufzubereiten.
Bibliotheksgeschichte vor Ort erforschen
Themen wie diese gibt es genügend, und dafür muss nicht in die Welt gereist werden. Spazieren Sie vor Ort, suchen Sie relevante Standorte auf und recherchieren Sie. Unternehmen Sie Citizen Science – beispielsweise zur Bibliothek Ihrer Kindheit. Und nutzen Sie zur Recherche BuB, denn wie erwähnt sind alle BuB-Ausgaben ab 1948 bereits online für fundierte Recherchen verfügbar. Einfach mal nachschauen und für dieses Vorhaben über die BuB-Website dem Link zum BuB-Archiv folgen: https://www.b-u-b.de/archiv/pdf-archiv-bub
Haben Sie etwas Fundiertes und fachlich Relevantes gefunden, lassen sich BuB-Beiträge nicht nur schreiben, sondern auch als KI-Beiträge multimedial und interaktiv aufbereiten – durch Metadaten, Ortseinträge, Strukturierung, Verlinkung und Einbindung in Social-Media-Plattformen. So werden sie auf Online-Portalen nutzbar gemacht – ganz im Sinne von »Analog trifft Algorithmus«.
Warum Tabellen und Listen für KI entscheidend sind
Zudem sind bei einem Beitrag Listen wichtig, die parallel beispielsweise auch in Wikipedia oder auf anderen Online-Plattformen eingetragen werden können. Denn Chatbots greifen auf Listen und Tabellen zu. Wenn diverse Fachpublikationen, darunter die genannte Festschrift, oder die »Blätter für Volksbibliotheken und Lesehallen«13 beziehungsweise das Buch »Volksbibliotheken (Bücher- und Lesehallen) ihre Einrichtung und Verwaltung«,14 fundierte Quellen liefern und die Angaben durch Informationen auf den Websites von Bibliotheken untermauert werden, kann eine Tabelle erstellt werden – wie beispielsweise folgende (siehe Tabelle 2). Dies ermöglicht Lesenden, diese Tabelle gegebenenfalls online zu korrigieren oder durch weitere Angaben zu ergänzen.
Tabelle 2: Gründung und Verortung damaliger Lesehallen in Deutschland
Charlottenburg; Wilmersdorfer Str. 166/167 (heute Eosanderstr. 1)
Städtische Lesehalle
ab 1901
Berlin; Dunckerstr 65-67
5. Städtische Lesehalle
ab 1901
Berlin; Rostocker Str. 32/33
6. Städtische Lesehalle
ab 1901
Berlin; Wattstr. 16
7. Städtische Lesehalle
4. März 1902
Osnabrück; Hakenstr. 12 (Gülich'schen Adelshof)
Städtische Bücher- und Lesehalle
20. Sep. 1902
Jena; Carl-Zeiß-Platz 15
Volks-Lesehalle im Volkshaus
So zeigt Tabelle 2, dass vor 133 Jahren in Freiburg nachweislich die erste Lesehalle eröffnet wurde. Für einen KI-fähigen Fachbeitrag interessant sind zu dieser Tabelle sowohl historische Abbildungen aus Fachpublikationen als auch aktuelle Fotos, wie beispielsweise die zu den ersten drei Lesehallen Berlins (siehe Fotos rechts). Hierdurch wird die Print-Veröffentlichung eines BuB-Beitrags zukünftig vor allem auch online gelesen – ganz gleich, ob es um Eingangsportale von Lesehallen oder andere Themen geht. KI-fähige Fachbeiträge ermöglichen es so, mit Unterstützung von BuB ein virtuelles Eingangsportal für Fachpublikationen zu schaffen.
oben links: Erste Lesehalle in Berlin (ehemals Mohrenstr. 41): Eingang Anton-Wilhelm-Amo-Str. 41, oben rechts: Schild der heutigen Anton-Wilhelm-Amo-Str., unten links: Zweite Lesehalle in Berlin: Eingang Ravenéstr. 12, unten rechts: Dritte Lesehalle in Berlin: Eingang Wilmsstr. 10
Ausblick: Lesehallen, Bewegung und KI
Über die Veröffentlichung beider Fachbeiträge zu den Lesehallen in Berlin und deren Ornamentik beziehungsweise dem Schriftzug »Lesehalle« wird beim Bibliothekskongress 2026 zudem mit diverser Suchmaschinen-KI und Chatbots erneut die Frage gestellt:
»Wie lauten die heutigen Adressen der Gebäude in Berlin, an denen das Wort ›Lesehalle‹ noch abgebildet ist?«
Denn nicht nur im Oktober 2025, auch im Februar 2026 lautet die Antwort beispielsweise bei ChatGPT:
»Es tut mir leid, aber ich habe keine Informationen darüber, an welchen aktuellen Gebäuden in Berlin das Wort ›Lesehalle‹ abgebildet ist.«
Möglicherweise werden bis zur BiblioCon nicht nur die hier aufgeführten Adressen angezeigt, sondern darüber hinaus auch weitere Informationen zu finden sein, wie zum Beispiel, dass es ab 1908 in einem Gartenhaus der Adalbertstraße 41 die Hugo Heimann'sche Bibliothek und Lesehalle gab (gegründet 1899 in der Alexandrinenstraße 26). Im heutigen neueren Gebäude haben die Bewohner im Treppenhaus ein Hinweisschild angebracht, welches darauf aufmerksam macht.
rechts: Gebäude in der Adalbertstraße 41, 2025, links: Hinweisschild im Treppenhaus der Adalbertstraße 41
Lassen Sie uns gerne auf dem Bibliothekskongress persönlich zu Ihren möglichen BuB-Beiträgen und KI-Vorhaben ins Gespräch kommen. Beim damaligen Richtungsstreit haben unter anderem Walter Hofmann, Paul Ladewig, Constantin Nörrenberg und Eduard Reyer sich zu ihren Aktivitäten ebenfalls fachlich ausgetauscht und von ihren Reisen nach Großbritannien und den USA berichtet, was zur »Bücherhallenbewegung«17 führte.
Doch haben sie dabei bestimmt nicht an die Doppeldeutigkeit des Wortes »Bewegung« gedacht, dass etwa 100 Jahre später Bewegungsaktivitäten in Form von Spaziergängen zu Lesehallen durch Berlin und andernorts folgen würden und sich diese Bewegung auch auf das Scrollen, Surfen und Wischen der KI-Algorithmen im Internet ausweiten ließe. Lassen Sie uns also miteinander reden und inspirieren, mobilisieren und motivieren, um eigene Beiträge zu veröffentlichen. Vielleicht haben Sie weitere Anregungen oder Kritik, lassen Sie uns über Social-Media und KI auf dem Kongress sprechen.
Vielleicht können Sie zudem auch dem Autor dieses Beitrags mitteilen, ob es weitere Ornamente mit dem Wort »Lesehalle« in Berlin oder anderswo in Deutschland noch heute gibt oder in welchem Zusammenhang diese literarisch benannt werden. Denn wie schon in der Oktoberausgabe von BuB erwähnt, wird für Berlin literaturwissenschaftlich betrachtet in Döblins Roman »Berlin Alexanderplatz« das Wort »Lesehalle« nicht explizit genannt. In »Berlin Alexanderplatz« taucht jedoch das Wort »Bibliotheksweisheit« auf – und dieser Roman lädt zum Spazieren durch Berlin ein.18 Vielleicht gibt es für Ihren Ort andere Romane, in denen das Wort »Bücherhallen« oder »Lesehalle« benannt wird – teilen Sie solche Textstellen gerne dem Autor mit.
1 Vgl. BiblioCon2026 2 Vgl. Wissen, Dirk: Der »Bibliotheksweisheit« auf der Spur, BuB 10/25, S.500-505 Reutlingen, 2025. Vgl. auch https://www.b-u-b.de/nachrichten/praxis/post/der-bibliotheksweisheit-auf-der-spur 3 Vgl. Buchholtz, Arend: Die Berliner Volksbibliotheken und Lesehallen 1850-1900 - Festschrift der Stadt Berlin zum 1. August 1900, Berlin, 1900. Vgl. auch https://digital.zlb.de/viewer/fulltext/34947952/83/ 4 Mohrenstraße 41, heute Anton-Wilhelm-Amo-Str. 41 5 heute Nr. 14-16 6 Vgl. BuB 01/67, S. 46 7 Vgl. ChatGPT OpenAI: https://chatopenai.de 8 Wie z. B. ChatGPT, DeepSeek, Gemini, Grok, Perplexity 9 Katalog der Öffentlichen Bücherei und Lesehalle Braunschweig, Braunschweig, Ausgabe 1, Januar 1910, Beiblatt 10 Vgl. Stadtbibliothek Jena: https://www.stadtbibliothek-jena.de/de/wir_ueber_uns/geschichte/700681 11 Vgl. Tews, Johannes: Handbuch für Volkstümliche Leseanstalten, Berlin, 1904, Vorblatt 12 Vgl. Goethe-Institut: https://www.goethe.de/de/uun/org/ges.html 13 Vgl. Graesel, Armin: Blätter für Volksbibliotheken und Lesehallen, Berlin, 1900 14 Vgl. Jaeschke, Emil: Volksbibliotheken (Bücher- und Lesehallen) ihre Einrichtung und Verwaltung, Leipzig, 1907 15 Vgl. Fußnote 4 16 Seit 1920 gehört Charlottenburg zu Berlin, zuvor war es eine eigenständige Stadt 17 Vgl. Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft (LBI): Hrsg. von Konrad Umlauf und Stefan Gradmann, Stuttgart, 2011, S. 137 und vgl. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bücherhallenbewegung 18 Vgl. Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Berlin, 1929, S. 151
Letzter Aufruf aller Links erfolgte am 20. Feb. 2026 (BuB-Redaktionsschluss 24. Feb. 2026). Alle aktuellen Fotos in Teil 1 und Teil 2 der Beiträge zur »Bibliotheksweisheit« stammen von Dirk Wissen.