283.000 Menschen feiern Literatur auf der Leipziger Buchmesse

2.800 Veranstaltungen fanden vom 21. bis 24. März 2024 in Leipzig statt. Mehr als 2.085 Aussteller aus 40 Ländern präsentierten ihre Neuheiten.
Foto: Leipziger Messe GmbH / Tom Schulze
Ein ganz besonderes Lesefest: Mehrs als 283.000 Menschen besuchten im März die Leipziger Buchmesse. Foto: Leipziger Messe GmbH / Tom Schulze

 

Vier Tage lang lebte ganz Leipzig das Lesen: Auf 2.800 Veranstaltungen präsentierten die 3.400 Mitwirkenden der Leipziger Buchmesse, der Manga-Comic-Con und des Lesefests »Leipzig liest« vom 21. bis 24. März an mehr als 300 Orten Neuerscheinungen, hielten Lesungen, Diskussionsrunden und Workshops. Zu dieser Programmvielfalt haben mehr als 2.085 Aussteller aus 40 Ländern (2023: 2.082 Aussteller aus 40 Ländern) beigetragen. Aber auch die 283.000 Besucher/-innen (2023: 274.000 Besucher/-innen), zeigen mit ihrem Interesse an der Leipziger Buchmesse, welchen Stellenwert Literatur in all ihren vielfältigen Formen hat. Ein Überblick über die Leipziger Buchmesse 2024:

Den hohen Stellenwert der Leipziger Buchmesse unterstrichen die Besuche zahlreicher hochrangiger Politkerinnen und Politiker. Zu Gast waren unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz, der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, der Ministerpräsident Flanderns Jan Jambon sowie die Ministerpräsidenten Sachsens und Sachsen-Anhalts Michael Kretschmer und Reiner.

 

Start der Kampagne #DemokratieWählenJetzt

Angesichts zunehmender Angriffe auf demokratische Grundwerte und im Hinblick auf die Wahlen in diesem Jahr, haben der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Leipziger Buchmesse die Initiative #DemokratieWählenJetzt gestartet. Bereits bei der Eröffnung der Buchmesse im Gewandhaus zu Leipzig am 20. März hielten alle Gäste ein Schild mit dem Aufruf in die Kamera. Die Besucherinnen und Besucher der Buchmesse konnten sich vor den Fotowänden fotografieren oder filmen und ihr Statement unter dem Hashtag #DemokratieWählenJetzt in den sozialen Netzwerken posten.



Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung

Während der Eröffnung wurde auch der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgezeichnet. Er erhielt den Preis für sein Buch »Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität«. Die Laudatio sprach die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz.

 

»Alles außer flach« – Gastland Niederlande & Flandern

Den Wert der Demokratie sowie die besondere Verbundenheit zwischen Deutschland, den Niederlanden und Flandern, betonte auch Mark Rutte, der Ministerpräsident der Niederlande, im Rahmen der Eröffnung der Buchmesse: »Für uns ist Deutschland das Land der Dichter, Denker und Komponisten. Ein Land, mit dem wir seit Jahrhunderten enge Beziehungen führen. Gemeinsam müssen wir die europäischen Werte verteidigen, denn Europa ist deswegen so erfolgreich, weil es so offen ist. Wenn wir diese Offenheit verlieren, ist das das Ende, davon bin ich überzeugt.« Dass ihr Motto Programm ist, haben die Niederlande und Flandern nicht nur an allen Tagen der Buchmesse, sondern auch im Vorfeld bewiesen. Mit ihrer neuen Generation an Autor/-innen und Illustrator/-innen sowie zahlreichen spannenden Veranstaltungen am Gastlandstand und in Leipzig hinterlassen die beiden Länder einen bleibenden einladenden Eindruck. Die literarischen Projekte, die das Gastland anlässlich der Buchmesse auf die Beine gestellt hat, sollen weitergeführt werden und zu jahrelangen Kooperationen über die Landesgrenzen hinaus führen.

Einen Vorgeschmack auf seinen Gastlandauftritt 2025 vermittelte Norwegen unter dem Motto »Traum im Frühling«. Am Donnerstag eröffnete Laila Stenseng, die Botschafterin der Königlichen Norwegischen Botschaft in Berlin, den Stand des zweitgrößten nordischen Landes, der während der folgenden Tage zahlreichen Lesungen norwegischer Autorinnen und Autoren eine Bühne bot.

Preis der Leipziger Buchmesse 2024: Ki-Hyang Lee, Tom Holert und Barbi Marković

Für die 20. Jubiläumsausgabe des Preises der Leipziger Buchmesse wurden 486 Buchtitel eingereicht und 15 nominiert. Die drei begehrten Auszeichnungen mit Nachhause nehmen konnten schließlich Ki-Hyang Lee für ihre Übersetzung von Bora Chungs Erzählband »Der Fluch des Hasen«, Tom Holert für sein Sachbuch »ca. 1972« und Barbi Marković für ihren Roman »Minihorror«.

 

10 Jahre Manga-Comic-Con

Ein weiteres Jubiläum feierte auch die Convention, auf der sich bekanntermaßen die buntesten Blüten des Leipziger Literaturfrühlings öffnen: die Manga-Comic-Con. 2024 wurde sie zum 10. Mal veranstaltet und mit einer eigenen Ausstellung gewürdigt. Sie zeigt die Höhepunkte der vergangenen Conventions und persönliche Fotos und Anekdoten, die Manga-, Anime- und Comic-Fans im Vorfeld eingesandt haben. Für Begeisterung sorgten dieses Jahr vor allem die japanischen Ehrengäste Gou Tanabe, Satoru Nii und sora. Aber auch für zahlreiche andere internationale Stars wie RJ Baker und Flavia Scuderi stellten sich die Fans während der Signierstunden in die Schlange.

#buchbar, UVERSE und das Forum Offene Gesellschaft

Nach ihrer Einführung 2023 waren die neuen Formate der Leipziger Buchmesse auch 2024 wieder im Programm: Die #buchbar war stets gut gefüllt mit interessierten Leserinnen und Lesern, die »ihren« Autor/-innen bei einem Kaffee endlich einmal ganz nahekommen konnten.

Auf dem Jugendcampus UVERSE, der Kreativwerkstatt der Leipziger Buchmesse, herrschte ebenfalls großer Betrieb. Zahlreiche junge Besucher/-innen nahmen an den Mitmach-Angeboten im Sinne des Prinzips »Erfahren, Denken, Machen, Verstehen, Wissen« teil. 18-Jährige konnten auch den Kulturpass der Staatsministerin für Kultur und Medien nutzen, um das Budget für ihren Eintritt auf die Buchmesse einzusetzen.

Demokratie und Rechtsruck, Krisen und Kriege, Faktencheck und Fake News, Meinungsfreiheit und Menschenrechte – das Forum Offene Gesellschaft bot eine Bühne für Podiumsdiskussionen mit Expertinnen und Experten zu den wichtigen Themen unserer Zeit.

 

Die Poesie der Unzugehörigkeit des Literaturnetzwerks TRADUKI

Für Offenheit und die Stimmen derer, die andernorts nicht gehört werden, setzte TRADUKI mit seinem Programm »Poesie der Unzugehörigkeit« ein Zeichen. Unter den mehr als 40 Autor/-innen aus mehr als zehn Ländern trafen die Besucher/-innen auf zahlreiche bekannte und auch viele neue Gesichter. In der TRADUKI Kafana und im Café Europa konnte das Publikum erleben, welche kulturelle Vielfalt Südosteuropa bietet. Auch die beliebte Balkannacht im UT Connewitz bot erneut Gelegenheit, Literatur und Musik gemeinsam zu feiern – mit dabei war auch die Buchpreisträgerin Barbi Markovićs, die aus ihrem Buch »Minihorror« las.

Ukrainische Geschichten von Widerstand und Identität

Nach wir vor kämpft die Ukraine für ihre Freiheit und ihre Kultur – und muss dabei enorme menschliche Verluste hinnehmen. Die traumatischen Veränderungsprozesse, die sie dabei durchläuft, standen im Zentrum vieler Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse. Mit seinem Besuch der Ukraine-Bühne am Donnerstag zollte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diesem Land, das um sein Überleben kämpft, besonderen Respekt.

 

Das Fachprogramm 2024

Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und Social Media standen im Fokus des diesjährigen Fachprogramms. Den zweitgrößten Ausstellungsbereich auf der Leipziger Buchmesse bilden nach wie vor die Angebote von Verlagen, Institutionen, Unternehmen und Initiativen rund um Bildung, Schule und Kita. Ob beim GEW-Bildungstag auf der Buchmesse, dem 6. Fachtag Musikunterricht oder dem Didacta-Symposium – zahlreiche Pädagoginnen und Pädagogen nutzten die vielfältigen Anregungen für ihre Unterrichtspraxis und nahmen Lösungsansätze mit nachhause mit.

 

Über die Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse gilt als wichtigter Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche und versteht sich als Messe für Leser/-innen, Autor/-innen und Verlage. Sie präsentiert die Neuerscheinungen des Frühjahrs, aktuelle Themen und Trends und zeigt neben junger deutschsprachiger Literatur auch Neues aus Mittel- und Osteuropa.

Interessantes Thema?

Teilen Sie diesen Artikel mit Kolleginnen und Kollegen:

Nach oben