Ist es besser, eine Bibliothek als Freundeskreis oder als Förderverein zu unterstützen? Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands der deutschen Bibliotheks-Freundeskreise e.V. (BdB), klärt im folgenden Beitrag auf:
Freundeskreis oder Förderverein?
Förderverein – Definition und Aufgaben
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) definiert den Begriff Förderverein als »eigenständig agierende[n] eingetragene[n] Verein, der mit dem Ziel gegründet wurde, Mittel für eine bestimmte gemeinnützige Organisation (nennen wir sie ›Mutterorganisatio‹) einzuwerben. Der Förderverein selbst ist somit nicht im Sinne des gemeinnützigen Zweckes, zum Beispiel Bildung, der Mutterorganisation tätig. Die Aktivitäten richten sich einzig darauf Mittel einzutreiben, zum Beispiel durch Ansprache und Netzwerken mit potenten Geldgebern und Geldgeberinnen oder die Ausrichtung von Benefizveranstaltungen. […] Darüber hinaus kann ein Förderverein auch einen eigenen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhalten. Fördervereine werden meist von Engagierten aus dem Umfeld der Mutterorganisation gegründet. Diese identifizieren sich stark mit der Organisation und werden durch den Verein noch stärker gebunden.«1
Freundeskreis – Definition und bibliothekarische Praxis
Im Gegensatz dazu ist ein Freundeskreis »eine formal nicht näher bestimmte Gruppe von Personen, die sich in der Regel für die Mittelerwerbung (Fundraising) einer gemeinnützigen Organisation einsetzt.« Freundeskreise seien keine juristischen Personen, keine eingetragenen Vereine und träten nur stellvertretend auf.2 Unbestritten gibt es derartige lockeren, dennoch engagierten, Freundeskreise; Beispiele werden in dem Text genannt.
Freundeskreise und Fördervereine in der bibliothekarischen Praxis
Für den Bereich der Bibliotheken geht diese Definition jedoch oftmals an der Realität vorbei. Allerdings deckt sie sich mit der Haltung einiger Bibliotheksleitungen, die einem Förderverein eine rein dienende Funktion zuschreiben. Die Namensgebung der Organisationen trägt meist wenig zur Unterscheidung bei. Unter den über 570 Freundeskreisen von Bibliotheken, die der Bundesverband der deutschen Bibliotheks-Freundeskeise (BdB) kennt, kommen Bezeichnungen wie ›Förderverein‹, ›Verein der Freunde und Förderer‹, ›Gesellschaft der Freunde‹, ›Bibliotheksgesellschaft‹, ›Freundeskreis‹ und ähnliches vor. Nahezu alle sind eingetragene Vereine und gemeinnützig. Ähnliche Vielfalt der Namen gibt es unter den Mitgliedern des BdB.3
Aufgaben und Aktivitäten zur Unterstützung von Bibliotheken
So vielfältig wie die Namen sind die Aktivitäten der Vereine für, mit und in ihrer jeweiligen Bibliothek. Da gibt es Vereine, die sich allein das Fundraising für ihre Bibliothek zur Aufgabe gemacht haben; solche, die für einen Neubau für ihre Bibliothek kämpfen; solche, die sich für den Erhalt ihrer Bücherei stark machen und Vereine, die nach Sparmaßnahmen der Trägerkommune die Bibliothek oder Stadtteilbibliothek selbständig mit unbezahlten Freiwilligen betreiben. Viele Vereine engagieren sich zusätzlich für Leseförderung und Literaturvermittlung.
Häufig ist eine Kombination mehrerer Aktivitäten zu beobachten. Insbesondere in Zeiten knapper kommunaler Kassen, in denen Kommunalpolitik an den »freiwilligen« Leistungen in Bildung und Kultur zu sparen anfängt, treten Freundeskreise wie Fördervereine als Lobbyisten für ihre Bibliotheken in Aktion. Nicht wenige der bestehenden Vereine sind in solchen Situationen überhaupt erst entstanden. In ihrem Selbstverständnis sind sich Freunde und Förderer ihrer Bibliothek, aber zugleich auch Vertretung von deren Nutzern. Über 60% der öffentlichen Bibliotheken (ÖB) in Deutschland werden nebenberuflich oder ehrenamtlich geleitet; 49 000 Freiwillige arbeiten unentgeltlich in ÖB, 12 000 Personen sind hauptamtlich tätig.4
(Hinweis der Redaktion: Zum Thema ehrenamtliches Engagement in Bibliotheken hat der Autor bereits einen eigenen Beitrag veröffentlicht.)
Interessenvertretung und Unabhängigkeit gegenüber der Trägerschaft
Wo ein einst bestehender Freundeskreis aufgelöst wurde, ist die Bibliothek ohne Freunde der kommunalen Finanznot ausgeliefert.5 Leitungspersonen von Bibliotheken unterliegen der Weisungsbefugnis ihrer jeweiligen Trägerschaft, Vereinsvorstände können freisprechen und gegenüber der Trägerschaft, der (Kommunal-)Politik und der Öffentlichkeit unabhängig auftreten. Bürgerschaftliches Engagement wie Fundraising, ehrenamtliche Unterstützung der Bibliothek, aktive Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit helfen, das Ansehen der Bibliothek und des Vereins zu steigern und können so zu einer gewissen Immunität der Einrichtung gegenüber Sparmaßnahmen beitragen.
Freunde oder Förderer? Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Verein auf Augenhöhe
Für Bibliotheken sollte keine solche Unterscheidung nötig sein. Die hier nur kurz angedeutete Vielfalt der Aktivitäten der Freundeskreise und Fördervereine von Bibliotheken zeigt, dass die Vereine mehrheitlich beides sind und sein wollen. Sie dienen ihrer Bibliothek, aber nicht als weisungsgebundene Diener, sondern als selbstbewusste Freunde. Als Freunde ziehen sie mit der Bibliothek und ihrer Leitung an einem Strang, stimmen sich über die verfolgten Ziele ab und agieren zwar unabhängig, aber an den Aufgaben der Bibliothek und den Interessen ihrer Nutzer orientiert. Freundeskreise werden in der Regel ehrenamtlich von bibliothekarischen Laien geführt. In manchen Vereinen sind aber auch Personen im Vorstand oder geschäftsführend tätig, die vor ihrem Ruhestand eine Bibliothek geleitet haben oder anderweitig vom Fach sind.
Freunde begegnen sich auf Augenhöhe. Das sollte immer für das Verhältnis zwischen Bibliothek und ihrer Leitung und dem Freundeskreis gelten. Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit von Bibliothek und Freundeskreis ist, dass der Freundeskreis und seine handelnden Personen die fachliche Zuständigkeit der Bibliotheksleitung respektieren. Das gilt auch für einen Freundeskreis, der mit großem Engagement dazu beigetragen hat, den Neubau einer Bibliothek durchzusetzen. Zugleich muss eine Bibliotheksleitung anerkennen, dass ein Freundeskreis mit seinen Mitgliedern und seinem Vorstand eigene Möglichkeiten hat, für die Bibliothek zu lobbyieren und um Unterstützung zu werben. Vertrauensvolle Abstimmung und Aufgabenteilung sollten die Mittel der Wahl sein.
Spannungsfelder und Konflikte im Engagement für Bibliotheken
Dennoch kommt es hier und da zu Interessengegensätzen und Spannungen zwischen einer Bibliothek und ihren Freunden. Einzelne dem Autor bekannten konkreten Fälle können an dieser Stelle nicht näher analysiert werden. Nur so viel sei gesagt: wenn eine Stadtgesellschaft über die Zukunft ihrer Bibliothek zerstritten ist, bleibt das nicht ohne Wirkung auf das Verhältnis zwischen Bibliothek und Freundeskreis.
Im Vorfeld der Gründung des BdB 2018 hat man sich bewusst für die Bezeichnung ›Bundesverband der deutschen Bibliotheks-Freundeskreise‹ entschieden. Dieser Begriff sagt deutlich, dass es zwischen Vereinen und Bibliotheken um ein Freundschaftsverhältnis geht, in welchem beide Seiten mit Respekt an gemeinsamen Zielen zum Wohle der jeweiligen Bibliothek arbeiten. Das aber gilt für alle einschlägigen Vereine, gleich welche Bezeichnung sie im Namen führen.
Uwe Janssen hat als Schüler sein Taschengeld damit verdient, für die Buchhandlung des Vaters mit dem Fahrrad die bestellten Bücher zur Staatsbibliothek Bremen zu fahren, die damals zur Unibibliothek ausgebaut wurde.
Sein ganzes Berufsleben hat er im Buchhandel verbracht, davon mehr als 40 Jahre im Barsortiment. Dort hat er die technische Kommunikation der Branche zwischen den Handelsstufen, auch mit Bibliotheken, vorangetrieben. Er war maßgeblich daran beteiligt, den Metadaten Standard ONIX in Deutschland einzuführen.
Seit 2004 ist Uwe Janssen Vorsitzender des Fördervereins Stadtbücherei Leinfelden-Echterdingen, den er mitgründete, um die Schließung von zwei Stadtteilbibliotheken zu verhindern. Seit 2018 ist er stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der deutschen Bibliothek-Freundeskreise (BdB), davor schon in gleicher Funktion in der AG der Freundeskreise im dbv bis zu ihrer Auflösung 2018.
1 https://www.bpb.de/die-bpb/foerderung/akquisos/542117/foerdervereine-und-foerderkreise/
2 ebd.
3 https://bibliotheks-freundeskreise.de/der-bdb/mitglieder/
4 Uwe Janssen: Ehrenamtliches Engagement in Bibliotheken https://www.b-u-b.de/detail/freiwilliges-ehrenamtliches-engagement-in-bibliotheken
5 So aktuell in Stuttgart, wo der Freundeskreis vor einigen Jahren aufgelöst wurde. Die Stadtbibliothek muss selbst in ihrem Vorzeigebau am Mailänder Platz jetzt die Kopierer und Drucker abschaffen und die Öffnungszeiten reduzieren, nachdem die Stadt den Kulturetat zusammengestrichen hat.
