Eiszeit in Leipzig: Unterkühlte Diskussion zwischen Verlegern und Bibliothekaren

Bücher Im Schwarzen Hölzernen Bücherregal
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Frostige Zeiten in Leipzig: Der plötzliche Wintereinbruch zu Beginn des diesjährigen Bibliothekskongresses illustrierte angemessen das unterkühlte Verhältnis zwischen Bibliothekaren und Verlegern in Sachen E-Books, dem zentralen Thema des größten Fortbildungstreffs für Informationsspezialisten, das sich durch nahezu alle Veranstaltungen zog. Selbst die Abschlussdiskussion mit hochrangigen Vertretern der Verlagsbranche führte zu keinem spürbaren Tauwetter. Als sich der noch verbliebene Rest der rund 3 500 Kongressteilnehmer am Donnerstag auf die Heimreise machte, war das Klima zwischen Verlegern und Bibliothekaren beim Thema elektronische Bücher so eisig wie die Leipziger Märzluft.

Keinen Zentimeter haben sich Verleger und Bibliothekare in der Abschlussdiskussion des Leipziger Bibliothekskongresses aufeinander zubewegt. Zu tief ist der Graben in Sachen elektronischer Medien. Während Bibliotheksvertreter endlich ein gesetzlich garantiertes Ausleihmodell analog zum gedruckten Buch fordern, haben Verlagsvertreter Bedenken, dass ihnen durch die Ausleihe von elektronischen Büchern in Bibliotheken das gesamte Geschäftsmodell wegbricht. Ihre Argumentation: Wenn E-Books in Bibliotheken frei verfügbar sind, werden sie nicht mehr gekauft. Deshalb setzen Verlage und Branchenvertreter inzwischen zusehends auf eigene Verleihmodelle. Bibliotheken hingegen fürchten, dass sie künftig von einem ganzen Mediensegment abgeschnitten werden, weil immer mehr Verlage ihre elektronischen Produkte nicht mehr für Bibliotheken zur Verfügung stellen. Das Problem, das vor allem Öffentliche Bibliotheken betrifft: Rechteinhaber können Bibliotheken den Verleih digitaler Titel verweigern, bei gedruckten Werken ist das nicht möglich.

Es nützte wenig, dass alle Diskussionsteilnehmer immer wieder die langjährige fruchtbare Zusammenarbeit von Bibliotheken und Verlagen beim gedruckten Buch betonten, beim elektronischen Nachfolger liegen die Positionen einfach zu weit auseinander – und selbst Kompromissvorschläge führten nicht weiter. So startete die amtierende Präsidentin des internationalen Bibliotheksverbandes IFLA, Ingrid Parent, die Diskussion mit der Feststellung, dass Bibliotheken auch auf die Mehrfachausleihe verzichten und ein mit einer Lizenz eingekauftes elektronisches Buch zeitgleich nur an einen Nutzer ausleihen würden. Ein Modell, das in Deutschland beispielsweise von der Onleihe umgesetzt wird.

Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hielt diese Lösung jedoch auf Dauer für nicht tragbar. Er schlug vielmehr ein Modell vor, wie es in Dänemark derzeit umgesetzt werde. Dort dürften Bibliotheken alle dänischsprachigen Bücher als E-Books verleihen, nach einer bestimmten Zahl von Ausleihen müsse jedoch eine neue Lizenz beim Rechteinhaber eingekauft werden. Dieser Vorschlag wiederum stieß auf massive Ablehnung der Bibliotheksvertreter. Gerald Leitner, Geschäftsführer des Büchereiverbands Österreich, sagte: »Das ist für Bibliotheken nicht zu finanzieren.« Im Übrigen sei das dänische Modell seit einem halben Jahr so gar nicht mehr in Betrieb, weil es von einigen großen Verlagen gekippt worden sei.

Kannibalisierung des E-Book-Marktes

Leitner warnte davor, eine Kannibalisierung des E-Book-Marktes durch die Bibliotheken an die Wand zu malen: »Das ständige Herbeizitieren des digitalen Gespenstes führt zu größter Unsicherheit bei Bibliothekaren, Verlegern und Autoren.« Die Auseinandersetzung mit den Bibliotheken sei ohnehin nur ein Nebenschauplatz. Leitner betonte: »Die eigentliche Gefahr droht den Verlagen von Amazon und nicht von den Bibliotheken.« Deshalb forderte er in Sachen E-Books endlich eine realistische Diskussion zwischen Verlagen und Bibliotheken – und zwar auf Augenhöhe. Leitner: »Die findet momentan nicht statt.«

Das sah auch der amtierende deutsche Präsident des europäischen Bibliotheksverbandes EBLIDA, Klaus-Peter Böttger, so. Für ihn, so Böttger, sei es elementar wichtig, dass Bibliotheken auch künftig ihr Angebot selbst bestimmen könnten. Das sei jedoch nicht möglich, wenn ein großer Teil der elektronischen Medien für Bibliotheken gar nicht mehr zugänglich sei. »Hier ist der gesellschaftliche Auftrag der Bibliotheken massiv bedroht«, stimmte Barbara Lison, Vorstandsmitglied im Deutschen Bibliotheksverband, zu.

Das wahre Leben freilich schert sich wenig um die Befindlichkeiten von Bibliothekaren und Verlegern. Wie die Realität aussieht, solange sich die beiden Kontrahenten nicht einigen, beschrieb der Schriftsteller und Lebenskünstler Lord Schadt, der ebenfalls auf dem Podium saß: »Wenn ich mich mit meinen Freunden treffe, ist es inzwischen üblich, dass man seine externe Festplatte zum Tausch mitbringt. Da passen bis zu drei Millionen Bücher drauf. Wozu braucht man dann noch Bibliotheken und Verlage?« Darauf herrschte betretenes Schweigen, und Rechtsanwalt Sprang gab zu Bedenken: »Wenn alle so handeln, wird künftig niemand mehr den Antrieb haben, ein Buch zu schreiben oder zu lektorieren.« Dieses Szenario, so entgegnete Schadt postwendend, sei in der Musikbranche, die das E-Thema schon durch habe, jedenfalls nicht eingetreten.

 

In der Podiumsdiskussion, in der hartnäckig altbekannte Argumente ausgetauscht wurden, war schnell klar: Der Kern des E-Book-Problems für Bibliotheken besteht darin, dass es keine gesetzliche Grundlage für die Ausleihe gibt. Die Geschäftsmodelle zwischen Verlagen und Bibliotheken werden allesamt auf der Grundlage von Lizenzvereinbarungen geregelt, die lediglich ein mehr oder weniger zeitlich befristetes Zugangsrecht ermöglichen. Die Zahl und Ausgestaltung dieser Lizenzverträge ist inzwischen unüberschaubar. »Dieser Vertragswahnsinn kann keine nachhaltige Strategie sein«, erklärte Rechtsexperte Thomas Hartman von der Max Planck Digital Library in München bereits in einer Kongressveranstaltung zum Thema am Vortag.

Die unterschiedlichen Lizenzvereinbarungen enthalten allesamt Einschränkungen, die die Nutzung der elektronischen Medien für Bibliothekskunden sehr unkomfortabel machen. So gibt es meist keinen Mehrfachzugriff, Kopier- und Druckfunktionen sind limitiert, der Download begrenzt. Beim Einsatz von E-Books in Forschung und Lehre orientieren sich die Ausleihmodalitäten häufig an veralteten Modellen, die nur das Lesen, nicht aber das Bearbeiten von Dokumenten erlauben. Die zahlreichen DRM-Maßnahmen wirken abschreckend auf Benutzer. Deshalb forderte Hartmann: »Wir brauchen eine Open Access-Regelung bei E-Books.«

Hoffen auf Musterprozesse

Davon ist man allerdings noch weit entfernt. Nachdem in dieser Sache wohl auch keine entscheidenden Fortschritte mit den Verlagen zu erzielen sind, wie die Leipziger Diskussion einmal mehr zeigte, ruhen die größten Hoffnungen der Bibliothekare derzeit auf einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli des vergangenen Jahres. Im Fall »usedSoft« entschieden die Luxemburger Richter überraschenderweise, dass es Unternehmen erlaubt ist, gebrauchte Software weiterzuverkaufen. Juristen interpretieren diesen Richterspruch so, dass dieses Recht auf Weiterveräußerung beziehungsweise -verleih auch für andere digitale Angebote, zum Beispiel Musik oder eben E-Books, gelten könnte. Ob dies tatsächlich der Fall ist, müsse sich in künftigen Musterprozessen aber erst noch zeigen. Rechtsexperte Hartmann stellte fest: »Das lizenzvertragliche Weitergabeverbot ist damit jedenfalls unwirksam.« Gegebenenfalls könnten Bibliotheken E-Books nach freiem Ermessen sukzessive weitergeben und »verleihen«.

Eine weitere Hoffnung liegt auf der Revision des europäischen Urheberrechts, das für 2014 vorgesehen ist und für die jeweilige nationale Gesetzgebung bindend wäre. Um hier die Positionen der Bibliothekare einzubringen, leistet der europäische Bibliotheksverband EBLIDA massive Lobbyarbeit. EBLIDA-Präsident Klaus-Peter Böttger bestätigte in Leipzig: »Das ist unser mit Abstand wichtigstes Projekt. Hier entscheidet sich nicht zuletzt die Zukunftsfähigkeit der Bibliotheken.«

Das E-Thema nimmt also auf allen Ebenen breiten Raum ein. Ist diese enorme Aufmerksamkeit überhaupt gerechtfertigt? Im vergangenen Jahr betrug der Anteil der elektronischen Medien am gesamten Verlagsgeschäft in Deutschland gerade mal drei Prozent. Das ist angesichts der aufgeregten Diskussion ein recht geringer Wert. Doch die Brisanz liegt in der Dynamik des Marktes. Im Jahr 2011 lag der Anteil noch bei einem Prozent, hat sich also innerhalb eines Jahres verdreifacht. Die Verlagsbranche rechnet weiterhin mit solch rasanten Zuwächsen, sodass die elektronischen Medien schon in wenigen Jahren dominierend sein könnten.

Die elektronischen Bücher erfreuen sich allenthalben wachsender Beliebtheit. Egal ob bei der benachbarten Leipziger Buchmesse oder in den Feuilletons der großen deutschen Zeitungen und Magazine, der E-Trend sorgt für dicke Schlagzeilen. Laut Media Control stieg die Zahl der heruntergeladenen E-Books in Deutschland von 3,8 Millionen im Jahr 2010 auf 12,3 Millionen in 2012.

Doch wer nutzt eigentlich die elektronischen Bücher und in welcher Form? Professor Sebastian Mundt von der Hochschule der Medien in Stuttgart stellte in Leipzig eine Nutzerstudie von elektronischen Fachbüchern in Baden-Württemberg vor. Insgesamt hat er dazu mehr als 3 100 Personen im Hochschulbereich befragt. Auffällig waren zunächst die signifikanten Unterschiede zwischen befragten Lehrenden und Studierenden. Bei den Lehrenden gaben 41 Prozent an, dass sie E-Books intensiv nutzen, bei den Studierenden waren es nur 19 Prozent. Lediglich ein Viertel der Lehrenden besitzt überhaupt einen E-Reader beziehungsweise einen Tablet-PC. Bei den Studierenden sind es gar nur 13 Prozent.

Weitere interessante Ergebnisse der Studie: Nur jeder dritte Studierende gab an, dass seine Lehrenden ausdrücklich auf elektronische Literatur verweisen. Jeder zweite Nutzer von elektronischen Büchern versucht, schlecht gestaltete Internet-Seiten zum Download von E-Books zu meiden. Und immerhin 41 Prozent der Studierenden und auch noch 27 Prozent der Professoren sagten, dass Bibliotheken künftig mehr gedruckte statt elektronischer Bücher kaufen sollten.

Die Lehrenden hätten damit, so das Fazit von Professor Mundt, die kritische Grenze zur Mehrheitsnutzung bei elektronischen Büchern bereits überschritten, die Studenten seien davon aber noch weit entfernt. Der Hochschullehrer empfiehlt: »Die technische Weiterentwicklung und das Marketing von E-Books sind elementar wichtig. Hier müssen Produzenten, Verlage, Bibliotheken und andere Multiplikatoren an einem Strang ziehen und eng zusammenarbeiten.«

Schenkung mit Hindernissen

Elektronische Medien jedenfalls, das wurde in vielen Veranstaltungen in Leipzig deutlich, besitzen das Potenzial, die traditionellen Geschäftsabläufe in einer Bibliothek grundlegend zu verändern. Ein Umstand, den der US-amerikanische Künstler David Horvitz am eigenen Leib erfahren hat. Er gestaltete im Rahmen eines Kunstprojekts für die Bibliothek des Goethe-Instituts New York ein Künstlerbuch, das er anschließend der Bibliothek in elektronischer Form schenken wollte – doch das ist gar nicht so einfach, wie sich herausstellte. Horvitz berichtete in Leipzig: »Ich wollte, dass die elektronische Version des Buches den Bibliotheksbesuchern zeitlich und mengenmäßig unbegrenzt zur Verfügung steht. Das ist doch der eigentliche Vorteil des elektronischen Buches.« Stattdessen musste Horvitz lernen, dass E-Books in Bibliotheken wie gedruckte Bücher ausgeliehen werden. Horvitz dazu: »Das ist unfassbar!«

Das Kunstprojekt am GI New York, über das BuB in der nächsten Ausgabe ausführlich berichten wird, taugte jedenfalls gut dazu, die Unzulänglichkeiten der Ausleihe elektronischer Medien in Bibliotheken aufzuzeigen. Völlig neu war dem Künstler beispielsweise die Rolle eines Dienstleisters, der die Online-Plattform für den elektronischen Verleih der Bibliotheken zur Verfügung stellt. Im Rahmen seines Projekts musste er eigens nach Deutschland fliegen, um mit dem hier ansässigen Dienstleister über seine Schenkung zu verhandeln. Horvitz: »Das Ganze war irrsinnig aufwendig, aber wir haben eine Lösung gefunden.« Er kann sein E-Book nun der Bibliothek im Goethe-Institut schenken – allerdings nicht, ohne dass dafür entsprechende Gebühren bezahlt werden.

Nicht nur wegen des erfrischenden Auftritts des jungen Künstlers dürfte dessen Vortrag zu den spannendsten auf dem diesjährigen Bibliothekskongress gehört haben. Endlich wurde hier mal nicht, wie so oft, darüber berichtet, was der Nutzer einer Bibliothek vermeintlich möchte – der Nutzer kam einfach selbst zu Wort. Sicher ein gutes Vorbild für weitere Bibliothekskongresse und Bibliothekartage.

In anderen Bereichen haben die jährlichen bibliothekarischen Großveranstaltungen ebenfalls einen Schritt nach vorne gemacht, zum Beispiel bei den Veranstaltungsformaten. In Leipzig war die Bandbreite deutlich größer als sonst; es gab vielfältige Möglichkeiten für die Teilnehmer, sich aktiv ins Geschehen einzubringen. Der Berufsverband Information Bibliothek (BIB) beispielsweise wartete in Leipzig mit ganz unterschiedlichen Formaten auf: So wurde das BIB-Jahresthema 2013 »Neue Arbeitsfelder in Bibliotheken« mit einem Keynote-Vortrag und anschließenden Workshops bearbeitet. Darüber hinaus bot der Berufsverband erneut ein Barcamp, bei dem die Diskussionsthemen von den Teilnehmern erst vor Ort festgelegt wurden. Beim BIB-Newcomer-Treff diskutierten Auszubildende und Studierende mit erfahrenen KollegInnen aus der Praxis. Und auch beim BIB-Programmpunkt »Zukunft gemeinsam gestalten – Buchmesse und Bibliotheksverbände im Gespräch« konnten im Rahmen einer Fish-Bowl-Diskussion alle Teilnehmer ihre Meinung äußern.

Fachwissen sitzt auch im Publikum

Das war alles weit entfernt von den klassischen Blockveranstaltungen, deren monotoner Ablauf über vier Tage hinweg nicht dazu geeignet ist, die Aufmerksamkeit und das Engagement der Teilnehmer zu fördern. Und in vielen Veranstaltungen dieser Art hat sich dann gezeigt: Das Fachwissen sitzt nicht nur vor dem Mikrofon und auf dem Podium, sondern häufig auch im Publikum.

Insgesamt wurden auf dem Leipziger Bibliothekskongress mehr als 300 Vorträge präsentiert. Die meisten davon können inzwischen auf dem BIB-OPuS-Server unter www.bib-info.de/verband/publikationen/opus/leipzig-2013.html nachgelesen werden. Rund 200 der mehr als 3 500 Besucher kamen aus dem Ausland. Darunter auch zahlreiche KollegInnen aus der Türkei, die ihre wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken in mehreren Veranstaltungen und mit einem liebevoll gestalteten Stand vorstellten.

Dabei war es besonders erfreulich, dass die türkischen Bibliothekare nicht nur über die positiven Aspekte und Entwicklungen in ihrem Heimatland berichteten. Wie sich das für einen Kongress gehört, bei dem die Themen Meinungs- und Informationsfreiheit ganz oben stehen, gab es auch kritische Töne. Professor Hasan S. Keseroglu von der Kastamonu University konnte wegen Erkrankung zwar nicht selbst  in Leipzig referieren, in seinem Manuskript war aber nachzulesen: »Es gibt keine Möglichkeit, die existierende Bibliotheksethik umzusetzen. Derzeit gibt es weder eine Harmonie noch einen Widerspruch zwischen Politik und Ethik in der Türkei. Türkische Bibliotheken werden vom enormen Gewicht der Politik schlicht erdrückt.« Das sind deutliche Worte aus einem Land, in dem laut »Reporter ohne Grenzen« derzeit mehr als 60 Journalisten wegen unbequemer Meinungsäußerung im Gefängnis sitzen.

Der Kongress war nach Angaben des veranstaltenden bibliothekarischen Dachverbands BID ein voller Erfolg. Dazu beigetragen haben auch die mehr als 150 Firmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen in Leipzig zeigten. Die Ausstellungsfläche war damit restlos ausverkauft. BID-Präsident Heinz-Jürgen Lorenzen zog eine positive Bilanz: »Ich freue mich über eine rundherum gelungene Veranstaltung.«

Vor allem mit Blick auf das den gesamten Kongress bestimmende E-Thema sagte Lorenzen nicht ohne Dramatik bereits in seiner Eröffnungsrede: »Die Existenz unserer Bibliotheken in 10 oder 15 Jahren steht auf der Tagesordnung dieses Kongresses!«  Auch angesichts dieser Aussage riet der »FAZ«-Journalist Jürgen Kaube den Bibliothekaren in seiner anschließenden Festrede zur Eröffnung des Kongresses vor allem zu mehr Gelassenheit. Heute, so der Festredner, sei jede Berufsgruppe auf der Suche nach einer neuen Identität: Zeitungen wollten Filme präsentieren, das Fernsehen wolle Internet machen, Bibliothekare wollten Pädagogen und Event-Manager sein. Ein kurzer Blick in Google habe ihm gereicht, um zu erkennen, dass Bibliothekare schon seit Jahrzehnten verbissen auf der Suche nach ihrer eigenen professionellen Zukunft seien. Seine Empfehlung an den Berufsstand: »Denken Sie die Bibliothek nicht zu utopisch. Nicht alles was technologisch möglich ist, ist soziologisch sinnvoll.«

Und zum Abschluss gab er den Kongressteilnehmern noch eine bedenkenswerte Frage mit auf den Weg: »Sie haben so einen sinnvollen Beruf und machen Vieles so gut – wieso wollen Sie eigentlich unbedingt etwas anderes sein, als das, was Sie als Bibliothekare sind?«

 

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